"Zwielichtige" Freimaurer (2): "Logenbruder Kitchener und die Konzentrationslager"

Freimaurer stehen für Einigkeit, Recht und Freiheit, für Brüderlichkeit, Humanität, Nächstenliebe, Demokratie, Liberalität und Bürgernähe. So sehen sie sich am liebsten. Verschwiegen werden jedoch zumeist die “zwielichtigen” Logenbrüder, die teilweise maßgeblich das Weltgeschehen “negativ” beeinflusst  haben. Auf meinem Blog werde ich einige dieser “zwielichtigen” Freimaurer beleuchten.

2. „Zwielichtige“ Freimaurer (2): „Logenbruder Kitchener und die Konzentrationslager“ [1]

 Lord Horatio Herbert Kitchener (1850 – 1916), von 1914 bis 1916 englischer Kriegsminister, befehligte 1898 als Feldmarschall  eine britisch-ägyptische Armee. In der Schlacht bei Omdurman wurden über 10.000 Derwisch-Krieger mit Maschinengewehren und Dumdumgeschossen massakriert. Der Leichnam des Mahdi wurde durch Enthauptung geschändet. Gerüchte besagten, Kitchener habe sogar erwogen, den Kopf des heiligen Mannes als Tintenfass oder Trinkschale verarbeiten zu lassen oder, besser noch, als Kuriosität an das „Royal College of Surgeons“ nach London zu senden.

Zudem war Logenbruder Kitchener auch Oberbefehlshaber im sogenannten Burenkrieg (1899 – 1902) in Südafrika. „Buren“ (Bauern) waren eingewanderte, holländischstämmige Siedler. Freimaurer Kitchener verfolgte die Strategie der „verbrannten Erde“, bei der insgesamt 22.000 Briten und 12.000 Kämpfer aus afrikanischen Hilfstruppen ums Leben kamen.

Das „Internationale Freimaurer Lexikon“ schreibt hierzu fast „pathetisch“: „Kitchener tat sich besonders in Kolonialfeldzügen hervor, besiegte den Mahdi in der Schlacht bei Omdurman und beendete den Burenkrieg.“[2]

Doch so einfach war das nicht, denn Kitchener vermochte es, trotz der Übermacht seines Heeres von rund 450.000 Soldaten, nicht, die burische Guerilla zu zerschlagen. So griff er zum Mittel der Konzentrationslagerpolitik. Er ließ dutzende von Konzentrationslagern einrichten. Am 22. September 1900 erhielt Generalmajor J.G. Maxwell, Militärgouverneur von Pretoria, den Befehl, Frauen und Kinder von burischer Abstammung in ein Konzentrationslager einzuweisen.[3] Der Plan war, dass wenn die burischen Frauen und Kinder in den Händen des Feindes waren, ihre Männer am schnellsten zur Kapitulation gezwungen werden konnten. So errichteten die Engländer mehr als 40 Konzentrationslager (manche Quellen sprechen von 58), in denen mehr als 110.000 Buren interniert wurden (45.000 im Oranje-Freistaat, 25.600 in Natal, 43.000 in Transvaal). Viele davon waren Kinder (von den Gefangenen in Natal waren beispielsweise 10.800 im Kindesalter)!

Der Historiker Ewald Steenkamp schreibt dazu: „In den Räumlichkeiten liegen die Frauen, Kinder und Säuglinge, alle bis auf das Skelett abgemagert und totenbleich vor Hunger und Krankheit. Und überall sind Fliegen, die Überträger von allerlei Arten von Krankheitskeimen. Die Fliegen kriechen in die Nasenlöcher der kleineren, schwächeren Kinder, und nach kurzer Zeit kriechen Würmer aus deren Nasen heraus.“[4]

Neben Körperverletzungen kamen auch sexuelle Nötigungen vor, wie Zeugenaussagen aus jenen Tagen belegten.[5] Die Sterblichkeitsrate stieg durch Masern, Fieber, Lungenentzündungen und Ödeme stark an. Etwa zehn Prozent der burischen Bevölkerung starb in den englischen Konzentrationslagern. Der Politik und Zeitgeschichtler Hans-Peter Schwarz schreibt in seinem Buch „Das Gesicht des Jahrhunderts – Monster, Retter und Mediokritäten“ dazu:  „In dem von ihm (Kitchener/d.A.) eingerichteten Konzentrationslagern gehen cirka 20.000 Familien zugrunde.“[6]

Der „Mit-Verantwortliche“ Lord Horatio Herbert Kitchener (of Khartoum) wurde während seines Ägyptenaufenthalts Freimaurer. Er war „Past-Großaufseher“ der „Großloge von England“ und „Distrikt-Großmeister“ für Ägypten und den Sudan. Zudem war er einer der Stifter der „Drury Lane Lodge No. 2127“ in London. Logen in Bolton, Simla und Kairo tragen sogar seinen Namen! Kitchener starb auf dem Kriegsschiff „Hampshire“, das im Ersten Weltkrieg vor den Orkney-Inseln auf eine deutsche Seemine gelaufen war.

Kitchener, der von den Freimaurern ja fast schon verehrt wird, wenn sogar Logen seinen Namen tragen, war bestimmt eines der negativsten Beispiele der Freimaurer-Geschichte. Durch seine Arbeit starben tausende in Buren-KZ, darunter viele Kinder. Daß Freimaurer sich auch heute noch nicht von ihm distanziert haben widerspricht aber wirklich allem, was uns die Logenbrüder über Humanität, Brüderlichkeit und Gleichheit erzählen. In diesem Sinne war Maurer Kitchener gewiss kein Held, sondern ein Kriegsverbrecher.[7]

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[1] vgl. Alan Moorehead: „The White Nile“, London 1973, S. 335/Hans-Peter Schwarz: “Das Gesicht des Jahrhunderts – Monster, Retter und Mediokritäten“, Berlin 1998, S. 132f., 461, 648/Michael Grandt: „Das Hitler-Tribunal – Protokoll eines Nürnberger Prozesses, Band 1: ‚Wege zur Macht’“, München/London/New York 2006, S. 369, 370 sowie: Supplement zum 1. Band,  S. 141, 142/Joel Kotek/Pierre Rigoulot: „Das Jahrhundert der Lager. Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vernichtung“, Berlin/München 2001, S. 59, 61, 62, 64/Oskar Hirntrager: „Geschichte von Südafrika“, München 1952, S. 373/Ben Viljoen: „Die Transvaaler im Krieg gegen England“, München o.J., S. 228/S.B. Spies: „Methods of Barbarism?“, Kapstadt 1978, S. 215/Ewald Steenkamp: „Helkampe“, Pretoria 2001, S. 73f./Oorlogsmuseum van die Boererepublike (Hrsg.): „Vroueleed“, Bloemfontein 1993/J.C.Otto: „Die Konsentrasie-Kampe“, Johannesburg 1954, S. 170/Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: „Internationales Freimaurer Lexikon“, München 2006 (5. überarbeitete und aktualisierte Ausgabe), S. 464

[2] vgl. Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: „Internationales Freimaurer Lexikon“, München 2006 (5. überarbeitete und aktualisierte Ausgabe), S. 464

[3] dies wurde durch das britische Memorandum vom 21.12. 1900 legalisiert (siehe Kosek, S. 62)

[4] vgl. Ewald Steenkamp: „Helkampe“, Pretoria 2001, S. 73f.

[5] wie etwa in: Oorlogsmuseum van die Boererepublike (Hrsg.): „Vroueleed“, Bloemfontein 1993

[6] vgl. Hans-Peter Schwarz: “Das Gesicht des Jahrhunderts – Monster, Retter und Mediokritäten“, Berlin 1998, S. 461

[7] 1899 hatte auch Großbritannien die Haager Konvention unterschrieben, nach der Übergriffe auf Zivilisten verboten waren. Diese auch von Kitchener an den Tag gelegt Vorgehensweise gegen Zivilisten (Frauen und Kinder) war demnach  völkerrechtswidrig

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