"Zwielichtige" Freimaurer (4): "Logenbruder Schacht, Adolf Hitler und die Aussiedlung von Juden"

Freimaurer stehen für Einigkeit, Recht und Freiheit, für Brüderlichkeit, Humanität, Nächstenliebe, Demokratie, Liberalität und Bürgernähe. So sehen sie sich am liebsten. Verschwiegen werden jedoch zumeist die “zwielichtigen” Logenbrüder, die teilweise maßgeblich das Weltgeschehen “negativ” beeinflusst  haben. Auf meinem Blog werde ich einige dieser “zwielichtigen” Freimaurer beleuchten.

 

„Zwielichtige“ Freimaurer (4): „Logenbruder Hjalmar Schacht, Adolf Hitler und die Aussiedlung von Juden“[1]

 

Ein hochrangiger und prominenter Freimaurer saß sogar in Hitlers Regierung: die Rede ist von Horace Greeley Hjalmar Schacht (1877 – 1970).

Er hatte sich den Nazis nicht nur angebiedert, wie es zu jener Zeit viele Logen getan hatten, um einem Verbot zu entgehen, was freilich nichts nützte, sondern hatte die Schreckensherrschaft des Dritten Reiches von Anfang an unterstützt und war mit ein Wegbereiter des schlimmsten Diktators der Geschichte: Adolf Hitler.

Schacht war einst Präsident der Deutschen Reichsbank, dann Reichsbankpräsident (1933 – 1939) und Wirtschaftsminister (1934 – 1937), danach Minister ohne Geschäftsbereich (1937 – 1944), Mitglied der Loge „Urania zur Unsterblichkeit“ (aufgenommen 1906) und später „Zur Brudertreue an der Elbe“ (aufgenommen 1949). Schacht sympathisierte bereits 1926 mit den Nazis, lernte 1930 Hermann Göring, Joseph Goebbels und Adolf Hitler kennen. Zwei Jahre später unterstützte er als Finanzexperte die NSDAP, forderte unter anderen mit seiner Unterschrift bei einer Eingabe an Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen und half später entscheidend die Aufrüstung zu finanzieren. In London führte er sogar Verhandlungen über die „Aussiedlung von Juden“, die als der „Schacht-Rublee-Plan“ in die Geschichte einging. Und das obwohl er zunächst den Standpunkt vertrat, dass die „Rassenpolitik“ der deutschen Wirtschaft nicht nur schaden, sondern auch ruinieren würde und deshalb die diskrimminierende Behandlung jüdischer Unternehmen grundsätzlich ablehnte. Aber er hieß die erlassenen „Nürnberger Gesetze“ ausdrücklich gut: „Ich begrüße…die Nürnberger Gesetze, dass er (der Jude/d.A.) wieder zurückgedrängt ist in sein, ich kann ruhig sagen, Ghetto…“ Und er teilte das nationalsozialistische Staatsziel, Juden in der Gesellschaft zu isolieren. Ferner sagte er einmal: „Die Juden müssen sich damit abfinden, dass ihr Einfluss bei uns ein für alle Mal vorbei ist. Wir wünschen, unser Volk und unsere Kultur rein und eigen zu halten.“ An anderer Stelle, „kein Jude darf daher Volksgenosse sein“ und befürwortete die gesetzliche Diskrimminierung aller deutschen Juden, die sie zu „Staatsbürgern minderen Rechts“ erklärte. Schacht deutete bei seiner „Königsberger Rede“ auch an, dass er sich mit dem sogenannten „Blutschutzgesetz“ anfreunden könnte, das eine Heirat zwischen Nichtjuden und Juden verbot und zudem jeden außerehelichen Geschlechtsverkehr mit Zuchthaus strafte.

Schacht erhielt zudem das „Goldene Parteiabzeichen“ der NSDAP verliehen. Dennoch kühlte sich ab 1937 sein Verhältnis zu den Nazis ab, wurde 1944 von ihnen wegen der Mitverschwörung des Attentats auf Hitler verhaftet und in „Prominentenbaracken“ interniert. Amerikanische Militärstaatsanwälte stellten Schacht wegen „Verschwörung zur Herbeiführung des Krieges“ und der „Teilnahme an den Vorbereitungsmaßnahmen“ vor ein internationales Kriegsverbrechertribunal. Bei den Nürnberger Prozessen der Alliierten Sieger wurde er jedoch freigesprochen. Allerdings nicht wegen „erwiesener Unschuld“, sondern wegen „unbilliger Härte“. Doch aufgrund der Entnazifizierungsgesetzes galt er für die deutschen Behörden als Hauptschuldiger der nationalsozialistischen Herrschaft, weil er unter anderem der „nationalsozialistischen Gewaltherrschaft außerordentliche wirtschaftliche Unterstützung“ gewährt hatte. Er wurde fast zur gesetzlichen Höchsstrafe von acht Jahren Arbeitslager verurteilt und bis 1948 inhaftiert. Im Berufungsverfahren wurde er freigesprochen, weil die Spruchkammer ausschließlich entlastende Dokumente und Zeugenaussagen hörte und belastende Tatsachen einfach ignorierte; im Gegensatz zum erstinstanzlichen Urteil. 1953 gründete Schacht die Außenhandelsbank Schacht & Co. in Düsseldorf.

Der Schacht-Biograph Christopher Kopper schreibt: „Seine (Schachts/d.A.) Selbsterklärung, er habe sich dem NS-Regime nur aus patriotischen Motiven zur Verfügung gestellt und sei im Amt geblieben, um Schlimmeres zu verhüten, war ausgesprochen fragwürdig – aber fand in der alten (und neuen) Verwaltungselite und in den führenden Wirtschaftskreisen der Bundesrepublik durchaus Zustimmung.“[2]

Nicht nur der Umstand, dass ein Mithelfer Hitlers, der für Millionen Tote des Zweiten Weltkrieges und für die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von nahezu sechs Millionen Juden verantwortlich war, ein Freimaurer war, der gegen aber auch alle maurerischen Prinzipien verstoßen hatte, sondern auch die Tatsache, dass vier Jahre nach der Schreckensherrschaft der Nazis, also 1949 er erneut in eine Freimaurerloge („Zur Brudertreue an der Elbe“ in Hamburg) aufgenommen wurde, ist mehr als ein Skandal! Und das nicht nur in Hinsicht seiner 1953 veröffentlichten Lebenserinnerungen „76 Jahre meines Lebens“, die „voller Ressentiments gegen deutsche wie gegen deutsch-amerikanische Juden“ steckte. „Schacht war nach dem Krieg zumindest phasenweise stärker antisemitisch eingestellt, als er es während der Herrschaft des Nationalsozialismus je war (Kopper)“.[3]

Und noch ein anderes „maurerisches Klüngelspiel“, das so bis jetzt als solches nicht erkannt worden ist, spielte sich ab: In der Zwischenzeit, zwischen dem Freispruch des Internationalen Militärtribunals und dem Entnazifizierungsverfahren deutscher Behörden gegen ihn, fuhr Schacht von Bayern, in dem seine Anwälte einen „vorläufigen Freibrief“ erwirkt hatten, nach Baden-Württemberg zu einem Freund. Der Nürnberger Polizeipräsident informierte die württembergische Landesregierung von dieser Reise, wonach der Minister für Politische Befreiung sofort einen Haftbefehl gegen Schacht erließ. Doch der liberale Ministerpräsident Reinhold Maier wollte Schachts Verhaftung ohne großes Aufsehen verhindern und ließ ihm über Umwegen eine Warnung zukommen. Dennoch wurde er festgenommen, weil er die Warnung nicht ernst nahm. Fakt ist jedoch, dass der Ministerpräsidenten ihn „illegal“ warnte. Warum? Es wird einsichtig, wenn man weiß, dass Reinhold Maier selbst ein sehr aktiver Freimaurer war! Von 1924 bis 1933 war er Mitglied der Loge „Zu den Drei Cedern“ in Stuttgart und 1946 sogar Gründungsmitglied der Stuttgarter Loge „Furchtlos und treu“, der er bis zu seinem Tod angehörte. Er versuchte also seinem „Logenbruder“ Schacht aus der Klemme zu helfen. Zudem war ja unter anderem auch das „Bruderband“ geknüpft worden. Skandalös!

„’Bruder’ Hjalmar Schacht stellt zweifellos für die Geschichte der deutschen Freimaurer eine Belastung da,“ bekennt Freimaurer und Journalist Tom Goeller daher auch reumütig. „Unabhängig von den gerichtlichen Freisprüchen hätte er 1949 nicht mehr in eine Loge aufgenommen werden dürfen. Denn es ist unstrittig, dass er ein entscheidender Steigbügelhalter auf Hitlers Weg zur Macht war. Das alleine hätte genügen müssen, ihn aus der Freimaurerei für immer auszuschließen. Leider muss indes vermutet werden, dass sich die Hamburger Loge ‚Zur Brudertreue an der Elbe’ 1949 eher geschmeichelt fühlte, einen ‚namhaften’ Freimaurer zu ihren Mitgliedern zählen zu können, als einen Helfershelfer Hitler zu bannen; ein weiterer Fleck in der Geschichte der deutschen Freimaurer.“

Quellen:


[1] vgl. Christopher Kopper: „Hjalmar Schacht – Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier“, München/Wien 2006, S.  280ff., 286, 287, 357, 360, 362, 371ff., 382ff./Tom Goeller: „Freimaurer – Aufklärung eines Mythos“, Berlin-Brandenburg 2006, S. 126ff./Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A. Binder: „Internationales Freimaurer Lexikon“, München 2006 (5. überarbeitete und aktualisierte Ausgabe), S.743, 744/Robert A. Minder: „Freimaurer Politiker Lexikon“, Innsbruck 2004, S. 120

[2] vgl. Christopher Kopper: „Hjalmar Schacht – Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier“, München/Wien 2006, S. 385

[3] vgl. Christopher Kopper: „Hjalmar Schacht – Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier“, München/Wien 2006, S. 376

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