Afghanistan-Skandal: "Soldaten sterben für Opium!"

Noch immer sterben ausländische Soldaten in ihrem „Humanitären Einsatz“ in Afghanistan. Auch deutsche. Dass dieser Einsatz schon längst ein „Krieg“ ist, hat als erster der damalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgesprochen und verprellte damit die Politiker-Kollegen, die bis dahin die deutsche Bevölkerung  angelogen hatten. Prompt bekam dann Zu Guttenberg die Quittung: aufgrund seiner zu weiten Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit wurde er aus dem Amt gejagt, obwohl noch am selben Tag drei Särge mit deutschen Soldaten aus Afghanistan zurückkamen! Ein unglaublicher Skandal!

Nun gibt es einen weiteren: Vor allem auch in den von der Bundeswehr kontrollierten Provinzen/Gebieten Badachschan und Baghlan, im Nordosten des Landes, floriert der einst gestoppte Mohnanbau wie noch nie! Die Anbaufläche für den Schlafmohn hat sich, trotz Einsatz der ausländischen Soldaten, signifikant vergrößert. 2012 soll sogar ein Spitzenjahr für die afghanischen Mohnbauern werden, das beste der letzten  drei Jahrzehnte! Für 2011 wird der Wert des in Afghanistan produzierten Opiums auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt! Davon profitieren auch die Taliban.

Ein unglaublicher Skandal: Soldaten sterben für Opium und die (deutsche) Politk schaut zu!

Nachfolgend dazu ein Artikel aus der „Stuttgarter Zeitung“:

Drogenschwemme vom Hindukusch

Kabul – Muhammad Ullah Najeeb reibt mit seinem Daumen über die scharfe handgeschmiedete Klinge. Zufrieden schaut er über das Feld, auf dem sich feigengroße grüne Bällchen auf grünen Stängeln im Wind wiegen. Auf einer Fläche von sieben, acht Fußballfeldern wächst Najeebs klebriger Reichtum: Opium.

Mehr als 80 Prozent des weltweit produzierten Rohopiums stammen von Feldern wie dem Najeebs. Zweimal im Jahr schickt der Paschtune abends seine drei Frauen und Kinder, Nachbarn und Verwandten zur Ernte, lässt sie mit Messern die Mohnkugeln der Länge nach einritzen. Morgens kratzt der Klan den getrockneten, braunen Milchsaft von den Kapseln. Nach acht bis zehn Tagen haben Najeeb und seine Familie so 20 bis 50 Milligramm Rohopium zusammengeklaubt. Insgesamt, schätzen Experten der Vereinten Nationen (UN), wurden im vergangenen Jahr so mindestens 5800 Tonnen Rohopium am Hindukusch zu dunkelgrünen Bällen geformt, Pessimisten glauben gar, dass die Farmer 7300 Tonnen ernteten – nach 2007 und 2008 der drittgrößte gemessene Ertrag in dem Krisengebiet. In dem wird die Kilokugel für etwa 300 Dollar (240 Euro) verhökert. Vornehmlich in den Westen, wo der Bedarf an dem daraus produzierten Heroin offenbar kaum zu stillen ist – vor allem auf den europäischen und amerikanischen Märkten wird das weiße Pulver förmlich herbeigesehnt.

„Dieses Jahr dürfte ein Spitzenjahr für die afghanischen Mohnbauern werden“, stöhnt ein Sprecher der Weltbank. Für 2011 schätzt er den Wert des in Afghanistan produzierten Opiums auf 1,1 Milliarden Euro, „alle Prognosen der Vereinten Nationen für 2012 deuten darauf hin, dass dies eines der ertragreichsten Jahre der vergangenen drei Jahrzehnte werden dürfte“.

137 Millionen Euro haben die Taliban mitverdient

Eine Zukunft, die Yury Fedotov Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Die Vorhersagen seiner Ermittler alarmieren den Direktor des UN-Büros für Drogen und Kriminalität: Die Anbaufläche für Schlafmohn wird sich auch in diesem Jahr „signifikant vergrößern“. In Provinzen, in denen in den vergangenen Jahren mühsam der Mohnanbau gestoppt wurde, pflanzen Bauern das Kraut wieder an. Auch im von der Bundeswehr kontrollierten Badachschan und in Baghlan im Nordosten des Landes. Durch den ­Norden des Landes verlaufen die Hauptschmuggelrouten für die klebrige Drogenmasse. Alles eine Entwicklung, sagt der ­Russe Fedotov unserer Zeitung, „die mich gerade vor dem Hintergrund des geplanten Truppenabzugs 2014 mit großer Sorge erfüllt“.

Vor allem deshalb, weil in erster Linie die Aufständischen vom Handel mit dem Opium profitieren. 137 Millionen Euro haben allein die Taliban im vergangenen Jahr an den Drogenernten mitverdient, sind sich Fedotovs Drogenfahnder sicher. Hinter vorgehaltener Hand sprechen einzelne Ermittler davon, dass Regierungsmitglieder bis zu 200 Millionen Euro am Handel mit dem Opium verdient hätten.

168 Euro bekommt ein Bauer in Badachschan für ein Kilo Rohopium, zwischen 40 und 50 Kilo erntet er im Jahr. Viel Geld in einem Land, in dem jeder dritte Mann arbeitslos ist und die anderen im Schnitt 90 Euro im Monat verdienen. Wir müssten, sagt Fedotov leise, „nachhaltige Perspektiven für die Menschen schaffen, weil wir sonst vom Opium im Westen überschwemmt werden“. So richtig glaubt er selbst nicht mehr daran.

Quelle:

http://content.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bundeswehr-einsatz-drogenschwemme-vom-hindukusch.3b4cb771-0dd0-4c29-b31e-e96cabcce1c6.presentation.print.html

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