Satanismus und Magie (2)

Der große Leitsatz der Magie lautet: „Was oben ist, ist wie das, was unten ist, fähig die Wunder des Einen auszuführen“. „Wie oben, so unten, also wie im Himmel so auf Erden“ (oder: „Wie im Kleinen, so im Großen“). Gemeint ist damit, ausgehend von einem magisch-mystischen Hintergrundsgedanken, dass der Mensch das winzige Ebenbild Gottes ist und damit den Mikrokosmos und Gott („das ins Riesenhafte projizierte Bild des Menschen“), den Makrokosmos symbolisiert. Ereignisse und Taten auf der Erde entsprechen somit denen in höheren Sphären und umgekehrt. Die Kräfte des Universums werden sich oben so verhalten, wie sich der Magier unten, in seiner Welt, verhält. Und auch hier ist das „Große Geheimnis“ die „Göttlichkeit des Menschen“. Das „große Werk“ in der (weißen) Magie ist also, selbst Gott zu werden. Denn der „vollkommene“ Mensch kennt nicht nur alle Dinge, sondern beherrscht sie auch. In der schwarzen Magie will der Mensch nicht nur „Satanas“ (Levi) erschaffen, sondern selbst zum „Satanas“ werden, sich damit zum Herrn über Leben und Tod aufschwingen, die absolute Macht über das Universum erringen. Um jedoch die „Gott- oder Satansgleichheit“ zu erreichen müssen die verschiedensten Gegensätze miteinander verbunden, vereint, versöhnt werden. Diese Harmonie, dieses vollkommene Gleichgewicht zwischen den Gegensätzen, wird „Equilibrium“ genannt. Richard Cavendish bemerkt in seinem Standardwerk „Die Schwarze Magie“ dazu: „Viele magische Rituale haben daher den Zweck, die tierischen Triebe in den Tiefen der menschlichen Natur zu wecken und ihnen freien Lauf zu lassen. Der ganze Mensch soll sich zu unendlicher Machtvollkommenheit erheben, nicht nur der Mensch als kultivierter Denker oder der Mensch als brutale Bestie, sondern der Mensch im Zusammenspiel beider Seiten seines Wesens.“[1]

„Schwarze Magie“, die „magia daemonica“ (oftmals auch mit der „Goetie“[2] gleichgesetzt) wird auch als schlechte, böswillige, schädliche, destruktive Magie bezeichnet, als der „Pfad zur linken Hand“, weil alle Bewegungen, die nach links gerichtet sind, das Böse aktivieren und die Macht des Bösen als Rebellion gegen das Gute (Gott) symbolisieren. Sie geht einher mit verletzenden bis zerstörerischen magischen Handlungen und umfasst Schadenszauber und die Erreichung der Ziele mithilfe von Dämonen und dunklen Mächten. Sie soll Lebewesen negativ beeinflussen, ihnen Schaden zufügen und steht auch für Dämonen- und Totenbeschwörung.

„Weiße Magie“, die angeblich „göttliche Magie“ (Theurgie)[3] hingegen gilt als „gute“ Magie, als Magie der Liebe, als „Pfad zur rechten Hand“. Sie umfasst unter anderem die Abwehr von Dämonen und dunklen Mächten mit Hilfe von Gebeten und Amuletten, Engeln und guten Geistern, wird zum Helfen, Heilen, zur Verbesserung von mitmenschlichen Beziehungen sowie zur Abwehr des Bösen benutzt.

„Sexualmagie“ (auch „okkulte“ Sexualmagie) ist „magische“ oder „rituelle“ Sexualität (Crowley), in der durch den Orgasmus freigewordene Energien und sexuelle Triebe gesteuert und zielgerecht eingesetzt werden können. „Unersättlichkeit des Begehrens, mutige Selbst-Zügellosigkeit und uranfängliche Sexualität“ führt zu einer Einheit der Selbst-Kenntnis, wie es der Magier Austin Osman Spare einst in seinem magischen System „Zos Kia“ formulierte.[4] Sex als heiliger, magischer (und) natürlicher Vorgang zur Fortpflanzung, zur Schöpfung neuen Lebens, zur Erleuchtung, muss zwangsläufig, so die herkömmliche hermetische Meinung, kosmische Kräfte in sich bergen. Bei der Sexualmagie wird das Potential verborgener Kräfte im Unterbewusstsein, durch Barrieren vom Bewussten getrennt, mittels sexueller Erregung wieder hervorgeholt. Diese Kräfte werden vom Ausführenden wie auch vom Betrachter spirituell genutzt und im Orgasmus frei und verfügbar. Dadurch kann ein höherer Bewusstseinszustand ein „Trip“ erlebt, oder die Energien gebraucht werden, um materielle Güter zu erlangen, jemanden zu schaden, ihn gar zu töten. In den satanistischen Gruppen, in denen Sexualmagie ernsthaft betrieben wird, ist das Ziel Gott bzw. Satangleich zu werden. Da Gott/Satan zweigeschlechtlich sein muss (Mann/Frau) wird durch den magisch kontrollierten Geschlechtsverkehr, der rituellen Vereinigung, die Aufhebung dieses Widerspruchs zwischen Mann und Frau angestrebt. Die entgegen gesetzten weiblichen und männlichen Pole verschmelzen in der mystischen Verwandlung zu „Einem“ und hebt den Zustand des Widerspruchs in sich selbst auf. Damit ist der Magier, der dies schafft, der „enthüllte Gott“, wie Crowely sich ausdrückte. In der heidnischen Vorstellung wurde aber auch die vermutete übernatürliche Kraft der Sexualität benutzt um böse Wünsche, also Flüche, auf diese Weise magisch zu verstärken.[5]

„Fetischismus“ bezeichnet in der Ethnologie die „Anbetung von Gegenständen“ und bezieht sich auf eine religiöse Praxis, bei der unbelebten Gegenständen, so genannten „Fetischen“, übernatürliche Fähigkeiten zugeschrieben werden. Diese Fetische spielen beispielsweise in der Magie eine große Rolle, sind selbst mit „Macht“ geladen, stellen eine eigene „Kraft“ dar, die wie Zaubermittel wirken sollen, wenn man ihnen seinen Willen „übermittelt“. Sie können durch religiöse Praktiken oder magische Zeremonien zum eigenen Nutzen oder zum fremden Schaden aktiviert werden. Fetische können Figuren aus Stein, Holz, Glas etc. sein oder aber Amulette, Talismane, Knochen, Schädel oder andere Körperteile von Tier und Mensch.[6]


[1] vgl. Richard Cavendish: „Die Schwarze Magie“, Berlin 1980, S. 36, 37

[2] kommt aus dem Griechischen Goetéia = Zauberei, Täuschung

[3] kommt aus dem Griechischen Theurgós = göttliche Handlung

[4] vgl. Marcus M. Jungkurth: „Zos Kia – Der Magier Austin Osman Spare und die Magie des Voodoo“, Bergen/Dumme 1993, S. 55

[5] vgl. Barbara G. Walker: „Die geheimen Symbole der Frauen“, München 2000, S. 419

[6] vgl. Jan Hoffmann/Benjamin Kober: „Biologie – Abnormales Sexualverhalten“ in: http://www.referate.de/html/bio/bio0174.php3 (Zugriff: 16.12.00)/Ulrike Müller-Kaspar (Hrsg.): „Handbuch des Aberglaubens, Band 1“, Wien 1996, S. 200/Horst E. Miers: „Lexikon des Geheimwissens“, München 1993, S. 216

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