Satanismus, Rechtsradikalismus und Death-/Black-Metal (1)

Im Zusammenhang mit der Ritualmord-Thematik ist auch die „unheilige Allianz“ zwischen Okkultismus/Satanismus und Rechtsradikalismus wichtig. Schon 1998 erkannte die vom Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission: „Hinzu kommt, dass ein Teil der okkulten Anschauungen im Zusammenhang mit rechtsradikalen und neofaschistischen Vorstellungen in Verbindung stehen.“[1] Ingolf Christiansen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und Mitglied der damaligen Enquete-Kommission ergänzt: „Gerade im traditionell-okkultistischen Satanismus gibt es Überschneidungen zum rechtsideologischen Bereich. Der Blut und Boden-Komplex, die Herrenmenschenideologie gehen mit satanistischen Vorstellungen durchaus ein symbiotisches Verhältnis ein. Auch scheinen Anhänger beider Richtungen nicht abgeneigt, den eigenen politischen Wirkungsrahmen durch magische Arbeit aufzupeppen.“[2] Auch die Landesregierung Baden-Württemberg wies bereits 1995 darauf hin, dass „neogermanisches Rassedenken mit der satanistischen Ideologie vermischt“ werde und verschiedene Rock-Gruppen Satan und Hitler gleichzeitig huldigen.[3] Schon Aleister Crowley, der Mentor des Neosatanismus, soll sich gerühmt haben: „Ehedem Hitler ward, bin Ich!“[4] Michael Aquino, der Leiter des satanistischen „Temple of Seth“, einer Abspaltung der „Church of Satan“, hat sogar auf der Wewelsburg, dem „Herz“ der SS bei Paderborn, eine „magische Arbeit“ durchgeführt. Unterlagen darüber liegen mir vor.[5] „Die germanische Tradition,“ so Aquino, „ist ebenfalls Teil des Erbes des Fürsten der Finsternis und deshalb von einem Orden des ‚Temple of Seth’ übernommen, denn dieser nimmt alle Manifestationen der Macht der Finsternis in der Welt bei sich auf.“[6] Bei einer bundesweiten Grossrazzia 1999 in der Neonazi- und Satanistenszene spricht der ermittelnde Staatsanwalt von einer „unheilvollen Verquickung verschiedener Ideologien“ und davon, dass die Grenze zwischen Satanismus und Neofaschismus fliessend sei.[7] Jan Christoph Wiechmann schreibt im Magazin „Stern“: „Satans Jünger – Sie quälen Menschen zu Tode, graben Leichen aus und trinken Blut: das Treiben der Teufelsanbeter hat eine neue Dimension erreicht. Verfassungsschützer sprechen von einer Allianz zwischen Satanisten und Neonazis.“[8] So wie beispielsweise auch der „Heidnische Blutbund“, der mit Morddrohungen in Runenschrift eine Verbindung zwischen Satanismus und Rechtsextremismus erkennen lässt.[9] Aufgrund meiner jahrelangen Recherchen bin ich immer wieder auf Kulte, Gruppierungen und Orden gestoßen, die Nazis und Satanisten gleichermaßen in ihren Reihen haben.[10]

Diese unheilige und unheilvolle Allianz, die sich schon über Jahre hinweg im religiösen und rechtsextremen Untergrund in Deutschland (aber auch weltweit) etablieren konnte, ist eine der größten Gefahren für unsere Demokratie, unsere Gesellschaft und erst im Ansatz von Justiz und Politik erkannt worden. Auch in Österreich, in Tirol. Die Staatspolizei (Stapo) ermittelt 1996 gegen Satanisten, die in einem  Stollen im Berg Isel in der Nähe des Innsbrucker Westbahnhofs schwarze Messen feiern. Mit dabei: Neonazis, die mit markigen Sprüchen gegen Ausländer und Minderheiten für einen neuen „Führer“ skandieren. Im Zuge der Ermittlungen erkennt der stellvertretende Innsbrucker Polizeidirektor und Leiter der Abteilung Staatsschutz, Hofrat Dr. Kiechl, dass es sogar „mehrere Gruppen“ geben muss. Und resümiert sicher zu recht: „Da das Problem immer aktueller wird, besteht dringender politischer Handlungsbedarf.“ Doch das Problem sei, nicht einmal im Innenministerium gäbe es eine Sondertruppe für das Sektenwesen. In einer beschlagnahmten Insider-Schrift ist sogar die „Tötung von Aussteigern“ befürwortet worden![11] Ferner wird auch der Zusammenhang zwischen Okkultismus/Satanismus und Rechtsextremismus in der Death- und Black-Metal-Szene erkannt. Rassenhass, Antisemitismus, nationalsozialistische Symbole und satanische Lehren haben eine unheilvolle Symbiose eingenommen.[12]

Ein Beispiel aus der Schweiz ist der „Schwartze Orden von Luzifer“. Er verschweigt seine wahren Absichten nicht. Sein Gedankengut beruht unter anderem auf Karl Maria Wiligut. Auf seiner Homepage wird das sogenannte „Grottenlied“ von Dänenkönig Frodi, dem Verkünder des „ewigen Irminenglaubens“ thematisiert. Darin geht es um „Vormenschenstämme“, um „Licht- und Steinkinder“ und um „Stammväter der späteren Herrenmenschen, die sich Jahrtausende hindurch als geborene Schwarzmagier betätigten.“[13]

Insbesondere aus Norwegen überflutet dieser gefährliche Sud das südlichere Europa, in der neogermanisches Rassendenken mit der satanischen Ideologie vermischt wird. Gruppen wie „Burzum“ und „Mayem“ huldigen Hitler und Satan gleichzeitig.[14] In einem Interview mit der Band „Barad“ erklären Mitglieder auf die Frage hin, wie sie sich ihr ideales Leben gestalten würden: „Es würde keine andere Rasse als die weiße geben. Teile anderer Rassen wären in Zoos als Schauobjekte gehalten und bei Verlust nachgezüchtet. Zur Erinnerung, was für eklige Sachen sich mal frei bewegen durften. Keine Kirche, Moschee oder ähnliches würde mehr Europa verunreinigen; es wäre frei von allen ausländischen Götzen, Kultstätten und ihren Dienern. Die alten Riten würden auferstehen und eine neue Zeit anbrechen, in der sich nur die weiße Rasse zu gottesgleicher Größe erhebt.“[15]


[1] vgl. Endbericht der Enquete-Kommission, S.87

[2] vgl. Fax von Ingolf Christiansen an den Autor v. 02.01.01/Archiv Grandt

[3] vgl. Landtag von Baden-Württemberg, Plenarprotokoll 11/63 v. 22.03.95, S. 5146, zitiert nach Hans-Jürgen Ruppert: „Satanismus – Zwischen Religion und Kriminalität“, EZW-Texte 140/1998, S. 34

[4] vgl. Hans-Jürgen Ruppert: „Satanismus – Zwischen Religion und Kriminalität“, EZW-Texte 140/1998, S. 34

[5] vgl. „The Wewelsburg Working“ von Michael Aquino/Kopie Archiv Grandt

[6] vgl. Massimo Introvigne/Eckhard Türk: „Satanismus – Zwischen Sensation und Wirklichkeit“, Freiburg i. Br. 1995, S. 186

[7] vgl. „Grossrazzia bei Neonazis und in Satanistenszene“ in: „D.I.R.-Nachrichten (dpa/Reuters)“ v. 08.10.99

[8] vgl. „Satans-Jünger“ in: „Stern 19/2000“, S. 53-64

[9] vgl. Hans-Jürgen Ruppert: „Satanismus – Zwischen Religion und Kriminalität“ in: „EZW-Texte 140/1998“, S. 45

[10] vgl. diverse Unterlagen/Archiv Grandt

[11] vgl. „Satanismus nimmt weiter zu“ in: „Oberbayrisches Volksblatt“ v. 17.05.96

[12] vgl. „Rechter Satanskult in Tirol“ in: „News 11/96“, S. 58ff.

[14] Hans-Jürgen Ruppert: „Satanismus – Zwischen Religion und Kriminalität“, EZW-Texte 140/1998, S. 34

[15] vgl. „Szene Almanach 1998“ in: http://www.wolfenstein.com/almanach/index.html – almanach98.pdf, 18. Dez. 1998/Kopie Archiv Grandt

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