Bezness – Das kriminelle Geschäft mit der Urlaubsliebe

GuidosKolumneNeu
    377 (38/2014)

Bezness:

Das kriminelle Geschäft

mit derUrlaubsliebe

Teil 1 – 14

 

Sommer, Sonne, große Gefühle! Dieser Traum wird für immer mehr Frauen zum Albtraum. 5.000 deutsche Urlauberinnen, so Experten, fallen jedes Jahr auf Liebes-Betrüger herein.
Hier meine große Dokumentation, die ich investigativ für BILD DER FRAU in Kenia und in der Türkei gedreht habe.

 

Meine große Bezness-Reportage “Auf den Spuren der Liebesmafia” ist so aktuell wie zuvor. Fast wöchentlich bekomme ich Zuschriften von betroffenen Opfern.

Sommer, Sonne, große Gefühle –  was so traumhaft beginnt, wird für immer mehr Frauen zum Albtraum. Denn schon längst lauern im Urlaub Liebesbetrüger, denen es  langfristig nur um zwei Dinge geht: um das Geld der ahnungslosen Touristinnen oder eine Hochzeit mit ihnen, um sich so eine Aufenthaltsgenehmigung für Europa zu ergaunern. Die Gefühls-Gangster sind organisiert und arbeiten systematisch. Alleine 2012, so Experten, sind 5000 Frauen auf die Betrüger hereingefallen. Ein Millionengeschäft.

Wir wollten herausfinden, wie die Liebesmafia wirklich arbeitet und mit welchen Tricks Frauen in die Falle gelockt werden. Reporterinnen und Reporter sprachen mit Opfern, Tätern, Behörden – und recherchierten mit versteckter Kamera in Touristenzentren in der Türkei und in Kenia.

 

Hier gibt’s den Überblick über die gesamten 14 Teile:

http://www.bildderfrau.de/world/communaute/search/search.asp?kw=bezness&personalKey=-178270572

Beispiel-Seite

 

Versteckt gedreht haben wir in der Türkei und in Kenia. Der Dreh hat uns allen – vom Kamera-Team bis zu unseren weiblichen Lockvögeln aus der Bild der Frau-Redaktion – alles abverlangt.

An dieser Stelle noch einmal meinen Respekt an die Reporterinnen, die wahrhaft viel ertragen mussten!

 

Nachfolgend ein Interview zum Thema, das ich „Bild der Frau“ gegeben habe (ungekürzt):

Anmerkung: Von Bezness können Frauen und Männer betroffen sein. Ich konzentriere mich bei meinen Antworten auf die Frauen.

1. Was bedeutet Bezness genau?
Bezness ist das Geschäft mit vorgespielter Liebe. Eigentlich verwende ich den Terminus „Gefühlskriminalität“, der wohl am ehesten zutrifft. Der Begriff ist zusammengesetzt aus dem deutschen Wort „Beziehung“ und dem englischen Wort „Business“. Das ist systematischer, oft auch organisierter, interkultureller Heiratsschwindel und hat nichts mit Sextourismus zu tun. Jährlich fließen Millionen Devisen in die Taschen der Betrüger. Die jeweiligen Regierungen machen nichts dagegen, stellen sich blind, taub und stumm. Übrigens auch die deutsche, obwohl das Problem schon lange im Auswärtigen Amt, den Innenministerien und den jeweiligen Botschaften bekannt ist, wie meine Recherchen ergaben. Das Geschäftsmodell Bezeness läuft aber auch über die virtuelle Welt: In Internetchats. Die dunkelste Seite dieser Gefühlskriminalität wird jedoch zumeist verschwiegen: Viele Beznesser, die durch eine Heirat mit einer Urlaubsbekanntschaft ins westliche „Schlaraffenland“ gekommen sind, fühlen sich hier nicht zu Hause. Nicht wenige entführen dann ihre eigenen Kinder in ihr Heimatland, die aus der bi-nationale Ehe hervorgegangen sind. Diese sind die eigentlichen Opfer. Die Mütter haben in diesen Ländern zumeist keine Rechte. Es ist fast unmöglich ihre Kinder wieder „legal“ zu sich zu holen.
2. In welchen Ländern kommt das besonders oft vor?
Bezness kommt überwiegend in orientalisch-islamischen und afrikanischen Ländern vor – und da vor allem in den beliebten Urlaubsländern, wie (vor der Arabellion) Ägypten, Tunesien und Marokko. Aber auch in der Türkei, in der Dominikanischen Republik und in Kenia tummeln sich die Gefühlsgangster. Also genau in den Hochburgen des Massentourismus, die auch von den deutschen Urlaubern bevorzugt werden.

 

3. Wie gehen die Betrüger vor? Gibt es da ein typisches Schema? (Wie umgarnen sie die Frauen)
Als erstes werden die Frauen von den Beznessern „ausgespäht“. Denn nicht jede Touristin erfüllt die Voraussetzungen als Opfer. Die Frau muss genügend Geld haben – wobei die Ansprüche, je nach Land, unterschiedlich sind – und sie muss entweder Single sein, geschieden oder verwitwet. Denn durch eine (schnelle) Heirat wollen viele Beznesser den Aufenthaltsstatus in Europa, in Deutschland bekommen. Natürlich werden auch verheiratete Frauen fixiert, die alleine Urlaub machen. Es gibt nicht wenige Fälle, in denen sich Frauen nach dem Urlaub von ihrem daheimgebliebenen Partner wegen der großen „Urlaubsliebe“ trennen. Ist eine Frau als Opfer ausgesucht, wird Kontakt mit ihr aufgenommen. Zumeist durch Komplimente, Flirts, zufällige Berührungen des Beznessers (Kellner, Animateur, Rezeptionist, Taxifahrer, Beachboy, Souvenirverkäufer etc.). Verabredungen folgen -romantische Rendezvous am Strand. Im Mond- oder Kerzenschein. Dann kommen die ersten Zärtlichkeiten mit ins Spiel: Händchenhalten, streicheln, küssen und dann der Sex. Natürlich muss alles schnell gehen: Die Urlauberin ist in den meisten Fällen höchstens drei Wochen da, manchmal sogar nur eine Woche. Die Jungs müssen also richtig Gas geben.
4. Können Sie Beispiele nennen?
Eine Betroffene – ich nenne sie Simone – fiel auf einen Animateur in Side herein: Nach einer Blitzheirat reiste er nach Deutschland. Hier musste ihn Simone finanziell aushalten. Arbeiten wollte er nicht. Es gab oft Streit, der einstige Märchenprinz verwandelte sich in einen Haustyrann. Simone wurde ungewollt schwanger aber das rettete die Ehe nicht. Im Gegenteil. Nach Handgreiflichkeiten trennte sie sich schließlich von ihm – einige tausend Euro ärmer. Eine andere Frau, Ursula (52), lernte in Kenia einen fast halb so alten Beznesser, einen Beach Boy kennen, der sie „verliebt gemacht“ hat, so erzählte sie mir. Auch hier folgte die Heirat schon nach wenigen Monaten. Er zog ins fremde Land, zu Ursula. Eine Zeitlang ging alles gut, dann stellte sich heraus, dass sie nicht die einzige Touristin war, mit der er sich eingelassen hatte. Zudem war er schon in Kenia verheiratet und hatte eine Tochter. Das Ende des Urlaubstraumes: Die beiden ließen sich scheiden und Ursula war zigtausende Euro ärmer…
5. Wieso fallen die Frauen darauf herein?
Die Opfer werden regelrecht „eingelullt“, wie vorangehend beschrieben. Das Klientel ist ja nicht die 20 – 30jährige Frau, sondern ab 40 aufwärts. Ungenierte Flirts, das Gefühl, etwas ganz Besonders zu sein, hören diese Frauen auch nicht jeden Tag. Vielleicht ist es schon Jahrzehnte her. Das macht anfällig. Sie verlieben sich – einseitig natürlich. Gefühle schalten den Verstand aus. Bei meinen Undercover-Recherchen hat mir ein türkischer Hotelangestellter verraten, dass die „Zauberformel“ folgendermaßen aussieht, um jede Frau abzuzocken: Aufmerksamkeit, Komplimente, Flirts, Gefühle und guter Sex.
6. Woran erkennt man den Betrug?
Beznesser kommen schnell zur Sache – und das in jeder Hinsicht. Sobald das Vertrauen der Frau gewonnen ist, das Netz des Verliebtseins gespannt ist, kommen die ersten Forderungen: Geld oder materielle Dinge. Die Gründe dafür sind immer dieselben: Anscheinend kann der Beznesser den Krankenhausaufenthalt eines nahen Verwandten nicht bezahlen oder eine OP steht an, es gab einen Unfall, das Moped wurde gestohlen und so weiter…Daran erkennt man sehr schnell den Betrug: an den finanziellen oder materiellen Forderungen! Dabei heißt es doch, dass bei Geld die Freundschaft aufhört, oder nicht? Wenn Urlauberinnen dies als Maßstab nehmen, dann sind sie gut beraten. Gegen bi-nationale Beziehungen, gegen Multikulti-Flirts und heiße Urlaubsnächte hat niemand etwas. Wohl aber gegen Gefühlskriminalität und Heiratsschwindel.
7. Wie kann man sich schützen?
Genau beobachten: Männer meiden, die viel jünger als man selbst ist und sich eindeutig „schnell“ an einen heranmachen: Vor allem: Sobald finanzielle oder materielle Forderungen gestellt werden, den Kontakt sofort abbrechen! Das ist wohl der beste Schutz, den es gibt, um sich nicht weiter in ein Gefühlsnetz zu verstricken, aus dem man sich später nicht mehr befreien kann.

 

8. Was kann man tun, wenn man Opfer von Bezness wird?
Der Gang zu den Behörden ist nicht nur schwer, sondern zumeist auch hoffnungslos. Da sich Bezness in zumindest zwei Ländern (Heimat- und Urlaubsland) abspielt, sind die Zuständigkeiten nur unzureichend geklärt. In den Heimatländern der Beznesser haben die Frauen zumeist keine Rechte. Selbst wenn der Beznesser beispielsweise wegen Kindesentzug mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wird, hat er in seinem Land nicht viel zu befürchten. Dennoch muss eine Kindesentführung, Gewalt oder Betrug angezeigt werden. Wegen einer allgemeinen Beratung können sich Betroffene an die einzige Anlaufstelle für Beznessopfer wenden: www.CiBeV.de. Erwähnen möchte ich noch: Bezness hat nicht nur große finanzielle Auswirkungen auf die Opfer, sondern auch psychische (Erkenntnis, dass die Ehe/Beziehung auf einer Lüge aufgebaut war, Verlust des Selbstwertgefühls, Ängste um sich und die eigenen Kinder, Depressionen, man gibt sich die Schuld an allem, man schämt sich etc.) und soziale (man grenzt sich von der Gemeinschaft aus oder aber wird von ihr isoliert, als Sextouristin stigmatisiert, die selbst Schuld an ihrer Misere hat). Oftmals gehen Bezness-Beziehungen auch mit körperlicher Gewalt einher.

 

9. Haben Sie Zahlen für einen Infokasten? Fallzahlen, Geldsummen oder Ähnliches?
Alles spielt sich in einem Grau- und Dunkelbereich ab. Deshalb sind Zahlen schwer zu beziffern. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich rund 5000 deutsche Urlauberinnen auf Gefühlsgangster hereinfallen. So schätzt CiB e.V., dass jährlich ein Schaden für das deutsche Sozialsystem von rund 1,5 Milliarden Euro durch die Bezness-Mafia verursacht wird.

 

 

—————-

DENKEN SIE IMMER DARAN:

SIE HABEN EIN RECHT AUF DIE WAHRHEIT!

———————————————————————————————-

 

 

GuidosKolumneNEU3

_______________________________________________________

Nachfolgend können Sie meinen kostenlosen GRAND(T)s NEWSLETTER  bestellen (und jederzeit wieder abbestellen):

———————————————————————————————

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.