Ein Gastkommentar von LOIS SASEK

(Produktionsleitung Kla.TV)


Der Fall Marc Dutroux ist wohl der in der Öffentlichkeit bekannteste Fall von Kindesentführung, Kindesmissbrauch Folterung, Inzest und Kindstötung in Europa. Dutroux stand zwei Mal vor Gericht. 1989 wurde er wegen fünffachen sexuellen Missbrauchs zu 13,5 Jahren Haft verurteilt, die er aber nicht einmal zu einem Drittel verbüßen musste. Der Vorwurf bei der erneuten Verhaftung 1996 lautete, dass er sechs Mädchen im Kindes- und Jugendalter entführt, sie sexuell missbraucht und wie Tiere im Kellerverlies eines seiner Häuser eingesperrt hatte. Vier von ihnen starben qualvoll in der Gefangenschaft.

Die große Kontroverse im Fall Dutroux bestand in der Frage, ob es sich um einen perversen Einzeltäter handelte oder ob er auch ein Zulieferer für ein weit größeres Netzwerk mächtiger Männer war.

Welche Indizien und Beweise gab es dafür, dass Dutroux für ein Netzwerk gehandelt hat?

Seine eigene Aussage:

2002 sagte Dutroux im Gefängnis in einem Interview, es gäbe sehr wohl ein Netzwerk mit vielen kriminellen Verästelungen. Die Mädchen seien nicht nur für ihn allein da gewesen, sondern auch für andere.

Seine finanzielle Situation:

Der arbeitslose Sozialhilfeempfänger Dutroux besaß fünf Häuser, kaufte regelmäßig Aktien, verfügte über mehrere Bankkonten, auf denen jeweils zeitgleich mit der Entführung der Mädchen größere Summen in bar eingezahlt worden waren. Hätte Dutroux die Kinder nur selbst missbraucht, hätte er damit kein Geld gemacht.


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Zeugenaussagen:

Auch die Überlebende Regina Louf (Film) berichtete, dass Marc Dutroux nicht als Einzeltäter handelte, sondern dass der Mitangeklagte Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul (Foto) Kindersexpartys mit den von Dutroux beschafften Kindern organisierte.

„Michel Nihoul bestellte bei Marc Dutroux Kinder zwischen zwölf und 14 Jahren für einschlägige Pädophilenfeste“, berichtete sie. Auch Dutroux selbst sagte aus, dass Nihoul Schutz „von ganz oben“ genieße. Der Mann habe Kontakte zum Brüsseler Jetset [Jetset = High Society], darunter viele Kunden einschlägiger Sado-Maso-Partys.

Ermittlungen des Untersuchungsrichters Jean-Marc Connerotte:

Dieser verfolgte Spuren, die auf ein Netzwerk hindeuteten. Er richtete eine Telefonnummer ein, unter der Bürger anonym Hinweise zum Fall Dutroux geben konnten. Eine Lawine von Informationen brach über die Ermittler herein.

Darunter waren auch Aussagen von mehreren jungen Frauen, die Unglaubliches zu Protokoll gaben: Sie wüssten von Sex-Partys in den frühen achtziger Jahren in den besten Kreisen, auf denen Kinder gefoltert und getötet worden seien. Auch Nihoul und Dutroux habe man gesehen. Sogar der belgische König Albert II. wurde als Besucher von solch grauenvollen «Partys» genannt.

Zwischenfazit: Es wäre absolut naheliegend gewesen, den vielen Spuren, die auf ein Netzwerk hinweisen, nachzugehen. Sieht man sich jedoch das Vorgehen von Justiz und Sicherheitsbehörden an, erkennt man, dass alles dafür getan wurde, die Ermittlungen in Richtung eines Netzwerks zu verhindern, um unbedingt Dutroux als Einzeltäter präsentieren zu können:

  • So wurde etlichen Hinweisen von Seiten der Polizei überhaupt nicht nachgegangen, darunter Zeugenaussagen oder Videobänder, die in Dutroux Haus sichergestellt und nicht ausgewertet wurden.
  • Andere Beweismittel wurden gestohlen oder verschwanden einfach.
  • Der Prozessbeginn wurde massiv verschleppt. Es dauerte ganze 7,5 Jahre bis Dutroux und drei Mitangeklagte vor Gericht gestellt wurden. In dieser Zeit kamen aber mindestens 27 Zeugen auf mysteriöse Weise ums Leben. Die meisten von ihnen wollten über Zusammenhänge aussagen, die den Verdacht untermauerten, dass Marc Dutroux kein Einzeltäter war, sondern dass es um ihn herum ein Netzwerk von Mittätern gab. Die Umstände, die zum Tod dieser 27 Zeugen geführt hatten, wurden entweder völlig unzureichend oder gar nicht untersucht.
  • Die Überlebende Regina Louf hatte ca. 60 Morde miterlebt, von 35 Opfern konnte sie sogar die Namen nennen. Auch die Täter, Straftaten und Tatorte konnte sie konkret benennen. Experten bezeugten nach einer psychologischen Untersuchung, dass sie in ihrer Kindheit massivem sexuellem Missbrauch ausgesetzt war. Trotzdem wurden ihre Spuren nicht verfolgt und die belgische Staatsanwaltschaft bezeichnete ihre Zeugenaussagen als unglaubwürdig und behauptete, dass diese der reinen Fantasie entsprungen seien. Der Staatsanwalt ließ daraufhin das Dossier ihrer Zeugenaussagen schließen.
  • Dem Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte, der die Spuren untersuchte, die auf ein Netzwerk hindeuteten, wurde der Fall entzogen. Er sei befangen, da er an einer Wohltätigkeitsveranstaltung für zwei der ermordeten Mädchen teilgenommen hatte. Diese fadenscheinige Begründung führte zu einem Proteststurm in der belgischen Bevölkerung. Der Justizapparat zeigte sich jedoch davon unbeeindruckt.

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Der Untersuchungsrichter, der auf Connerotte folgte, Jacques Langlois, war eine der Schlüsselpersonen, welche die Netzwerkthese unterdrückten. Er stoppte sämtliche Nachforschungen nach möglichen Hintermännern.

Jahre später stellte sich heraus, dass Langlois die Aussagen von mehr als 600 (!) Zeugen nicht in das Verfahren mit einbezogen hatte. Alle Zeugenaussagen über ein Netzwerk kamen unter Verschluss. Die damit befassten Ermittler wurden im Frühjahr 1997 versetzt. Die Akten mit allen nachprüfbaren Hinweisen, Namen und Verdächtigen wurden 1998 geschlossen.

Später berichteten Justizminister Marc Verwilghen und Staatsanwalt Michel Bourlet, dass sie immer wieder neue Ermittlungen gefordert hätten – jedoch ohne Erfolg, da Langlois die Ermittlungen blockiert habe.

Neben Langlois spielt auch Justizminister Melchior Wathelet eine entscheidende Rolle. Wathelet, der laut Aussage von Opfern selbst Organisator und Teilnehmer von Kindersexpartys war, begnadigte Dutroux überraschend bei seiner ersten Haftstrafe nach nicht mal einem Drittel der Zeit. Er ist damit mitverantwortlich dafür, dass Dutroux nach seiner Entlassung mehrere junge Mädchen entführen, vergewaltigen und töten konnte.

Die katastrophale Fehlentscheidung, Dutroux zu begnadigen, hatte jedoch keine negativen Konsequenzen auf Wathelets Karriere – eher im Gegenteil: Er war von 1995-2003 Richter am Europäischen Gerichtshof und von 2012-2018 europäischer Generalanwalt.

Fazit: Gewichtige Kräfte innerhalb der Justiz und Ermittlungsbehörden haben offensichtlich alles dafür getan, dass der Fall Dutroux nicht wirklich aufgeklärt wird, was nahelegt, dass sie selbst Teil dieser Netzwerke waren oder zumindest von diesen unter Druck gesetzt wurden.

Die Verstrickung der Justiz wird von der Aussage der Überlebenden Regina Louf untermauert.

Auf Zeitungsfotos und im Fernsehen hatte sie später die Teilnehmer der pädophilen Sexpartys wieder erkannt, bei denen sie „ihren Kunden“ willig zu Diensten stehen musste.

Gemäß ihren Aussagen waren allesamt als höchst ehrenhaft geltende Mitglieder der Gesellschaft bekannt, darunter Politiker, Manager, Industrielle und eben auch Rechtsanwälte und Justizbeamte.

In einem der Untersuchungsrichter welcher im Fernsehen zum Fall Dutroux aussagte, erkannte sie sogar einen der Mittäter bei der rituellen Ermordung eines ihrer Babys, die sie in ihrer Gefangenschaft geboren hatte.

Nach dieser belastenden Aussage von Regina Louf wurde sie für unzurechnungsfähig erklärt und das Verfahren gegen Michel Nihoul komplett eingestellt.

Dies geschah durch eben jenen Untersuchungsrichter, der ihrer Aussage nach einer der Mörder ihres Babys war.


Quelle: https://www.kla.tv/28454



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Foto: Screenshot/Bildzitat: https://www.youtube.com/watch?v=S6eBpZAhf3w


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3 Gedanken zu „GASTKOMMENTAR LOIS SASEK: »Der Fall Marc Dutroux und die Rolle der belgischen Justiz«“
  1. Das schlimme ist dass viele Reiche und abnormale Menschen diese Kinder missbrauchen.
    Sie finden immer wieder geldgierige Leute die ihnen Kinder bringen. Der Teufel soll sie alle holen.

    Gerade weil so viele Reiche und „Grosse“ darin verwickelt sind passiert nichts. Die schützen sich gegenseitig.

  2. Das schlimme dabei ist, dass viele „Grosse“- Politiker, Filmstars, Justizler und andere Kinderschänder sind. Die schützen sich gegenseitig. Denen passiert daher nichts. Es ist zum kotzen was für abartige Gestalten auf dieser Welt sind. Der Teufel soll sie holen.

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