Staatsanwalt Vincent Bugliosi zeichnete Charles Manson als einen charismatischen Manipulator, der mit wirrem Ideologie-Mix, Drogen und psychologischer Kontrolle seine Anhänger dazu brachte, das größte Tabu zu brechen: Mord. Durch Isolation, Sex, Gedankenkontrolle und den »Helter-Skelter«-Wahn verwandelte er seine »Family« in willenlose Werkzeuge. Was folgte, war ein mörderischer Kult aus Messiaswahn, Satanismus und apokalyptischer Rassenkriegsideologie – und eines der düstersten Kapitel der US-Kriminalgeschichte.
Der amerikanische Staatsanwalt und spätere Ankläger, Vincent Bugliosi, vermittelte von Manson folgendes Bild: »Im Untergrund-Milieu verlieh ihm sogar der Umstand, dass er im Gefängnis gesessen hatte, ein gewisses Ansehen. Mit seinem Geschwafel, dessen metaphysischer Unsinn durch den Zuhälterjargon und die Redensarten der Rauschgiftszene ebenso bereichert wurde wie durch das Vokabular der Scientology, sammelte Manson allmählich Anhänger um sich, zuerst vor allem Mädchen, dann auch ein paar halbwüchsige Jungen. Bald aber gewann Manson über seine Anhänger eine so dämonische Macht, dass er von ihnen verlangen konnte, das größte Tabu zu durchbrechen: Er brauchte nur zu sagen: ‚Bringt den und den um‘ – und sie brachten ihn um.«[i]
Eine seiner Anhängerinnen sollte später sagen: »Er hat uns gesagt, dass wir Teufel und Gott gleichzeitig sind, dass jedes Individuum Teil eines Ganzen ist. Mord gibt es nicht, denn wenn man jemand tötet, tötet man immer gleichzeitig auch sich selbst.« Tatsächlich flößte Manson seinen Anhängern ein, dass Mord rechtens sei, indem er zum besten gab: »Es gibt weder das Gute noch das Böse. Es gibt kein Verbrechen, folglich gibt es auch keine Sünde.«

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Staatsanwalt Vincent Bugliosi (vom Los Angeles County District), der beim späteren »Mansonprozess« als Chefankläger fungierte, erklärte dazu später: »Er (Manson/GG) entpersönlichte seine Opfer, indem er sie zu Symbolen machte. Es ist einfacher, ein Symbol zu erstechen als einen Menschen.«[ii]
Letztendlich verwandelte Manson seine Anhänger durch Drogen, Isolation, Sex, Gedankenkontrolle, psychische Manipulation und »Helter-Skelter«-Glauben in programmierte »Zombies«. Er war allmächtig wie der Messias, erklärte die Family allen anderen als überlegen. All das und zusammen mit halluzinogener Rauschmitteln sowie der Schaffung einer »Wir-gegen-die-Mentalität«, führte zu einer Verbundenheit und zu einem veränderten Bewusstseinszustand bei den Mitgliedern, einhergehend mit dem Verlust der Fähigkeit zu kritischem Denken und unabhängigen Entscheidungen. Sprich: Die Individualität löste sich zugunsten eines totalen Gruppengeistes auf.
Das Family-Mitglied Paul Watson brachte es auf den Punkt: »Ich wurde Charlie. Alles, was ich einmal war, war Charlie. Es ist nichts mehr von mir übrig geblieben. Und auch von allen anderen Leuten in der Familie ist nichts mehr übriggeblieben. Sie sind auch alle Charlie.«[iii] Somit wurden gesellschaftliche Regeln beseitigt und unwichtig.
Manson, der »Satan«, der »Jesus«, der »Guru« war natürlich uneingeschränkter Führer der sogenannten Family. Seine beiden wichtigen Flügelmänner waren Tex Watson und Bruce Davis. Die Hauptkomplizen der späteren Mordserie waren unter anderem Susan Atkins (die »Crazy Sadie« genannt werden wollte), Linda Kasabian, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten. Weitere Komplizen waren Sandra Good, Lynette Fromme und weitere …[iv]
Mansons krude Vorstellung von der Endlösung sah eine durch die Family durchgeführte Mordaktion als Provokation für einen Rassenkrieg – den er »Helter Skelter« nannte – zwischen Weißen (Reichen, die er als »Pigs« bezeichnete) und Schwarzen.

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Dabei sollten die Schwarzen die Weißen, die Reichen, die Kapitalisten töten. Nach seiner Ansicht aber wären die Sieger jedoch unfähig, die Welt zu regieren. Dementsprechend würde die Macht an Manson selbst und die Family fallen, denen somit die Erde gehört sollte.[v]
Manson berief sich aber auch auf Aleister Crowley, den Mentor des Neo-Satanismus.[vi]
Charles Manson legte sich verschiedene Szene-Namen zu, unter anderem die bereits erwähnten sowie »Devil«, »Satan« und »Soul«.
Der Sektenexperte Friedrich-Wilhelm Haack kommentierte dies so: »Charles Manson hatte sich als Satan und Christus zugleich bezeichnet. Seine Vorstellungen vom Endgericht und von endzeitlichen Rassenkämpfen zwischen Weißen und Schwarzen mischten sich mit einem Glauben an ein sexuell-sinnliches Ur-Christentum, das durch ‚Priesterbetrug‘ zum späteren Kirchenchristentum umfunktioniert worden sei.«
Und: »Nach Recherchen des amerikanischen Star-Journalisten Ed Sanders wollte Manson eine Kirche mit dem Namen The Final Church (die letzte Kirche) gründen (…) So nahm Mitte 1968 bei den Manson-Gläubigen der Kult mit Blutritualen, perversen Kultorgien und Tiertötungen zu. Nie widerlegt wurde das Gerücht, dass bei solchen Ritualen auch Menschen geopfert worden sein sollen. Es wird sogar davon geredet, dass eine dieser rituellen Schlachtungen auf einem Film festgehalten worden sei«.[vii]
Bekannt war Mansons Sinn für theatralische Selbstinszenierungen. So ließ sich der »Man–son«, also der »Menschensohn«, wie einst Jesus Christus ans Kreuz binden und auspeitschen. Er stöhnte und schrie, als würde er tatsächlich gekreuzigt.
Ebenso sollen Tiere geopfert worden sein, deren Blut in einem Fruchtbarkeitsritus getrunken wurde.
Ein Augenzeuge berichtete davon, dass die Family-Mitglieder bei manchen ihrer unheimlichen Riten schwarze Kapuzen und Umhänge trugen.[viii]
FORTSETZUNG FOLGT!

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Quellen:
[i] Vgl. Grandt, G./Grandt, M: Schwarzbuch Satanismus – Innenansicht eines religiösen Wahnsystems, Augsburg 1995, S. 206
[ii] Vgl. Gerd Frank: Totmacher 5 – das Massaker am Ciele Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder (1894-1998), Arnstadt, 2015, S. 94, 96, 101
[iii] Vgl. Gerd Frank: Totmacher 5 – das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder (1894-1998), Arnstadt, 2015, S. 100
[iv] Vgl. „Der Staat vs. Charles Manson“ in: Real Crime 2/2018, S. 19, 56
[v] Vgl. dazu u.a.: Massimo Introvigne/Eckhard Türk: Satanismus – Zwischen Sensation und Wirklichkeit, Freiburg i. Breisgau 1995, S. 194
[vi] Vgl. Andreas Huettl/Peter-R. König: Satan – Jünger, Jäger, Justiz, Kreuzfeuer-Verlag 2006, S. 204
[vii] Friedrich-Wilhelm Haack: Von Gott und der Welt verlassen, Düsseldorf, Wien, 1974, S. 126
[viii] Vgl. Josef Dvorak: Satanismus – Schwarze Rituale, Teufelswahn und Exorzismus – Geschichte und Gegenwart, München 1991, S. 129 sowie Ed Sanders: The Family – Die Geschichte von Charles Manson, Reinbek bei Hamburg 1995, S. 69, 70, 202
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