Apokalypse-Propheten verkündeten das Ende der Welt, schürten Angst und versprachen Erlösung. Doch ihre Prophezeiungen scheiterten – nicht jedoch ihr Einfluss. Dieser Beitrag zeigt, wie Apokalypse-Propheten mitunter mit Panik Geschäfte machten und warum ihre großen Versprechen bis heute nachwirken.


Die Southcott-Bewegung: Massenhysterie und gescheiterte Endzeitprophetie

Dass Joanna Southcott einst mit apokalyptischen Visionen für Aufsehen sorgte, liegt lange zurück.

Ihren Anfang nahm die Geschichte im Jahr 1792 – Southcott war damals 42 Jahre alt.

Doch vom Weltuntergang war zunächst keine Rede. Stattdessen beschäftigte sie sich mit vergleichsweise harmlosen Prophezeiungen: Wettervorhersagen, Deutungen der Französische Revolution und vage Zukunftsbilder.

Erst später steigerte sich ihre Selbstinszenierung ins Messianische. 1801 erklärte sie sich zum „Sonnenweib“ – einer Figur, die sie in der Bibel wiederzuerkennen glaubte.

In diesem Zuge begann sie, sogenannte „Siegel der Erlösung“ zu verkaufen: kleine Zertifikate, die ihren Käufern angeblich ewige Seligkeit garantieren sollten.

Ein lukratives Geschäft – und ein wirkungsvolles Instrument, um eine Anhängerschaft von schätzungsweise 100.000 Menschen um sich zu versammeln.


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Der Höhepunkt ihrer Selbstüberhöhung folgte im Alter von 64 Jahren: Southcott behauptete, schwanger zu sein – und den Messias höchstpersönlich in sich zu tragen. Seine Geburt, so verkündete sie, werde den Weltuntergang einläuten.

Doch die Realität holte sie ein. Nicht das Ende der Welt trat ein, sondern ihr eigener Tod.

Ob sie eines natürlichen Todes starb oder ob jemand ihre Prophezeiung allzu ernst nahm, bleibt bis heute unklar. Ihre Anhänger jedoch hielten unbeirrt an ihrem Glauben fest. Sie erwarteten ihre Wiedergeburt im Jahr 1874 – vergeblich.

Spätestens um 1900 zerfiel der Kult endgültig.

Zurück blieb eine Geschichte, die vor allem eines zeigt: Wie leicht sich Menschen von großen Versprechen, religiöser Symbolik und der Angst vor dem Ende verführen lassen – und wie oft am Ende nichts bleibt außer heißer Luft.

Die Endzeit-Irrtümer des Charles Taze Russell

Charles Taze Russell war nicht nur einer der Begründer der späteren Zeugen Jehovas und der dahinterstehenden Wachtturm-Gesellschaft, sondern auch ein Mann, der sein Leben dem intensiven Bibelstudium widmete.

Und genau dort fand er reichlich Stoff für seine Überzeugungen: Die Heilige Schrift ist durchzogen von Kriegen, Strafgerichten und apokalyptischen Szenarien. Russell griff diese Motive auf – und erhob sich selbst zum Deuter der Endzeit.

Mit allerdings überschaubarer Trefferquote.

Der 1852 geborene Prediger sagte den Weltuntergang gleich mehrfach voraus: für 1878, 1881 und schließlich für 1914.

Doch keines dieser Daten brachte das angekündigte Ende. Stattdessen verstrichen die Jahre – und die Welt bestand weiter.

Russell selbst starb 1916. Doch seine Berechnungen lebten fort.

Weitere Endzeitdaten kursierten: 1918, 1925, später sogar 1975. Eine Serie von Prognosen, die allesamt eines gemeinsam hatten – sie trafen nicht ein.

Man könnte meinen, das Prinzip dahinter sei simpel gewesen: Wer oft genug ein Datum nennt, erhöht statistisch die Chance, irgendwann richtig zu liegen. Doch selbst diese Strategie ging nicht auf.

Die Konsequenz daraus war bemerkenswert: Um weiteren Schaden an ihrer Glaubwürdigkeit zu vermeiden, verabschiedeten sich die Zeugen Jehovas schließlich von konkreten Weltuntergangsprognosen.

Ein stilles Eingeständnis, dass auch religiöse Gewissheiten an der Realität scheitern können.

Quelle: https://www.esquire.de/entertainment/true-crime/apokalypse-mythen-weltuntergang-vorhersagen-falsch


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