Eines der dunkelsten und zugleich umstrittensten Kapitel des Ukraine-Konflikts ist der „Massenbrandmord“ von Odessa am 2. Mai 2014 . Über 40 prorussische Menschen sterben im Flammeninferno des Gewerkschaftshauses – doch bis heute prallen zwei völlig gegensätzliche Deutungen aufeinander: hier die nüchterne Version internationaler Untersuchungen, dort die drastischen Schilderungen von Augenzeugen und Gegenstimmen. War es eine tragische Eskalation außer Kontrolle – oder ein gezieltes Verbrechen, das nie aufgeklärt wurde? Zwischen offiziellen Berichten, politischen Narrativen und erschütternden Zeitzeugen entsteht ein Bild, das mehr Fragen aufwirft, als es Antworten liefert.


Der „Massenbrandmord“ von Odessa hat sich in das kollektive Gedächtnis zumindest der prorussischen Anhänger in der Hafenstadt, in der Ukraine und freilich in Russland tief eingeprägt.

Hier ist die offizielle Geschichte der sogenannten „Faktenchecker“ der Mainstream-dpa (v. 8. März 2023):

Bei dem Brand starben 42 Menschen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Feuer geplant war.  
(…)Im Zuge von Auseinandersetzungen zwischen prorussischen und Kiew-treuen Demonstranten kam es am 2. Mai 2014 zu einem Brand in einem Gewerkschaftsgebäude in der südukrainischen Hafenstadt Odessa. Dabei starben 42 Menschen. Das sagen sowohl der Europarat, die UN als auch ein wissenschaftlicher Beitrag im Journal «Geopolitics». Bei den Ausschreitungen zuvor kamen sechs Menschen ums Leben. Etwa 200 Menschen wurden an dem Tag verletzt.  (…)
Die Aufarbeitung der Ereignisse erwies sich laut UN als schwierig. Matilda Bogner, die Leiterin des UN-Einsatzes zur Überwachung der Menschenrechte in der Ukraine, hält fest, dass beide Seiten des Konfliktes gewalttätig gewesen seien und es in Bezug auf die Gewährleistung der Sicherheit erhebliche Missstände innerhalb der Polizei gegeben habe.  
Die Kiew-treuen Demonstranten waren demnach in der Überzahl und hätten die prorussischen Demonstranten zurückgedrängt. Diese verbarrikadierten sich in Folge im Gewerkschaftsgebäude. Mitglieder des UN-Einsatzes beobachteten, dass beide Seiten Steine und Molotowcocktails warfen, wodurch das Haus zu brennen begann. Die Feuerwehr sei erst 45 Minuten nach dem ersten Notruf gekommen.  
Die polizeilichen Ermittlungen verliefen laut UN ineffektiv, einseitig und politisch-motiviert. «Die Behörden untersuchten nur das Fehlverhalten der „Pro-Föderalisten“ („Pro-Federalists“) während der Zusammenstöße, nicht aber das Fehlverhalten der „Pro-Einheit“-Anhänger („Pro-Unity“)», hieß es. Die Ermittlungen zum Feuer im Gewerkschaftsgebäude hätten zu keinen Ergebnissen geführt. Keine der beiden Seiten sei angeklagt worden.  
Ein Bericht des Europarates beschreibt, dass die Idee, das Gewerkschaftsgebäude zu blockieren, von einigen der prorussischen Demonstranten gekommen sei. Die Demonstranten, die sich für eine geeinte Ukraine einsetzten, hätten es mehrheitlich nicht geschafft, das Gebäude zu stürmen. «Forensische Untersuchungen ergaben später, dass das Feuer an fünf Stellen ausgebrochen war (…). Abgesehen von dem Feuer in der Lobby konnten die Brände nur durch die Handlungen von Personen innerhalb des Gebäudes ausgelöst worden sein», heißt es in dem Bericht.  
Es seien keine Anhaltspunkte dafür gefunden worden, dass der Brand im Voraus geplant worden war. Die geschlossenen Türen und der vom Stiegenhaus verursachte Schornsteineffekt hätten dazu geführt, dass sich das Feuer rasch ausbreiten konnte und es zu einem extremen Anstieg der Temperatur im Gebäude gekommen sei.(Stand: 08.03.2023)

Quelle: https://dpa-factchecking.com/austria/230308-99-872655/


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Soweit also die Mainstream-dpa-Faktenchecker.

Gegensätzlich dazu die russische Meinung aus einem Artikel von 2. Mai 2023 auf RTDeutsch:

(…) Nach wie vor ist es das abstrakteste Bild, das jenen Tag am deutlichsten zeigt, den 2. Mai 2014 in Odessa. Die Spuren von Händen im Ruß, Hände, die erst verzweifelt nach oben greifen und dann abwärtsrutschen. Es ist kein Blut auf diesem Bild, keine Körper, keine Täter und keine Opfer; aber es drückt Überraschung, Entsetzen und Hilflosigkeit aus, Gefühle, die im Innern des Gewerkschaftshauses ebenso überwältigend gewesen sein dürften wie außerhalb bei all jenen, die die Ereignisse verfolgten.

Sofern sie nicht zu den Tätern gehörten. Oder zu ihren Unterstützern. Zu jenen, die an diesem zweiten Mai in den deutschen Fernsehanstalten das Rohmaterial sahen und entschieden, es nicht zu zeigen.

Wer war das, der damals das Schweigen beschloss? In der gesamten EU wurde nicht berichtet. War das Zufall oder gab es eine Anweisung, nicht zu berichten, was in Odessa geschah?

Mindestens einmal im Jahr stellt sich diese Frage, weil zu viel von diesem Datum ausging. Die Gewalt auf dem Maidan schönzureden, nur die Bilder zu zeigen, auf denen die Teilnehmer friedlich wirken, das war das eine.

In Odessa war es ein gewalttätiger Mob, der Dutzende Menschen ermordete, und von jeder Minute gibt es Aufzeichnungen; aber das Ereignis wurde nicht nur retuschiert, es wurde völlig gelöscht. Die Konsequenzen dieser Löschung prägen unsere Gegenwart (…)

Es ist ja nicht nur die Tatsache, dass Dutzende Menschen ermordet wurden und die Täter bis heute straffrei ausgingen, was Odessa zur Bruchlinie machte. Es war die Öffentlichkeit des Verbrechens. Das begeisterte Publikum (…) Diese jubelnde Zuschauerschaft, die vor dem brennenden Gebäude stand, berauscht von Machtfantasien und Gewalt, zeigte nicht nur deutlich, wer mit dem Maidan-Putsch an die Macht gekommen war; sie zeigte außerdem, dass dieser Putsch ein Schlusspunkt und kein Anfang war.

Es ist unmöglich, diese Bilder mit Gleichgültigkeit zu betrachten. Es ist unmöglich, Sympathie für die Täter zu empfinden, außer man teilt ihre Überzeugung. Es ist unmöglich, Odessa gesehen zu haben und die Geschichte von der demokratischen Ukraine zu glauben.

Also wer war es, der beschloss, den Zuschauern die Rückkehr faschistischer Pogrome nach Europa vorzuenthalten? Waren es die Redaktionen? War es die Bundesregierung, war es Angela Merkel? Hatten sie vorher selbst gesehen, was sie verbergen wollten, oder nicht einmal das? Und sind sich die Macher dieses Schweigens bewusst, dass jede Granate, die in der Ukraine fällt, ganz gleich auf wen, auch ihre Verantwortung ist?

(…)

Man hat sich schon geeinigt, die Besetzer in Donezk und Lugansk zu russischen Agenten zu erklären; wenn solche Leute auf einmal Opfer sind und nicht Täter, bringt das, das Publikum nur zu sehr durcheinander.

(…) Wie berichtete damals die Tagesschau? „Bei Auseinandersetzungen zwischen Pro-Europäern und Pro-Russen geriet in Odessa das Gewerkschaftshaus in Brand.“

Das Schweigen wurde aber nicht nur von Politik und Medien aufrechterhalten. Der zweite Mai 1933 war der Tag, an dem in Deutschland die Nazis die Gewerkschaftshäuser stürmten, nachdem noch zum 1. Mai der ADGB mit zu deren Kundgebungen aufgerufen hatte.

Zumindest in Deutschland hätte ein solches Ereignis an einem solchen Datum eine Reaktion auslösen müssen; mehr als eine Mahnwache in München gab es aber nicht. Keine Presseerklärung, die auf dieses historische Datum verwies, keine Kundgebungen, keine Informationen an die Mitglieder.

War das eine Freundlichkeit gegenüber dem damaligen sozialdemokratischen Außenminister Steinmeier? Der es dann auch nicht für nötig hielt, wenigstens Blumen niederzulegen, als er dort war, wenige Tage nach dem Verbrechen?


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Wäre Odessa jedem bekannt, es wäre nie möglich gewesen, Waffen an diese Ukraine zu liefern. Es hätte zumindest eine breite Öffentlichkeit gegeben, die auf eine Durchsetzung der Minsker Vereinbarungen gedrungen hätte, auch wenn Skepsis darüber bestand, ob ohne Veränderungen in Kiew Frieden überhaupt möglich ist. Selbst wenn man berücksichtigt, dass es immer noch Unterstützer der Bandera-Ukraine in den EU-Ländern, vor allem in Deutschland, gegeben hätte – wir hätten einen völlig anderen Weg genommen.

(…) Noch sind die Abläufe der damaligen Entscheidungen in Archiven vergraben oder womöglich einzig in der Erinnerung der Beteiligten. Aber so, wie der Tag kommt, an dem all die aufgezeichneten Täter von Odessa zur Rechenschaft gezogen werden, auch die Besucherin der deutschen Außenministerin, so kommt auch jener, an dem aufgeklärt wird, wer damals für das Schweigen im Westen sorgte.

Quelle: https://rtde.live/meinung/169061-odessa-auch-verschweiger-sind-schuldig/?utm_source=Newsletter&utm_medium=Email&utm_campaign=Email

Das ist also die aktuelle „Gegenstimme“ zum westlichen „Faktenchecker.“

Lassen wir nun Zeitzeugen zu Wort kommen:

Alexej Albu aus Odessa, Mitglied der ehemaligen Kommunistischen Partei der Ukraine, hat das Massaker im Haus der Gewerkschaften in Odessa überlebt hat, das 2014 von faschistischen Gruppen aus Kiew verübt wurde.

Er berichtet: „An diesem Tag habe ich wie durch ein Wunder überlebt, ich hatte großes Glück, aber viele Genossinnen und Genossen wurden getötet, und andere starben kurz darauf in Krankenhäusern, wir wissen nicht einmal genau, wie viele (…) In den Medien wurde die Zahl der Toten mit 40 bis 50 angegeben, aber wenn wir die Vermissten mitzählen, ist die Zahl noch viel höher.“

Karina Schewzowa, gewöhnliche Bürgerin Odessas, berichtet: „Wir lebten ein normales Leben, bis 2014, als der ›Maidan‹ war, in Odessa nahmen wir an den Anti-›Maidan‹-Protesten teil, weil wir nicht wollten, dass unser Land plötzlich von Leuten mit denselben faschistischen und nazistischen Ideen kontrolliert wird, gegen die unsere Großmütter und Großväter gekämpft hatten. Viele Menschen schlossen sich dem Protest an, am 2. Mai gab es eine große Kundgebung.“ Aber dann seien in großen Gruppen Faschisten aus Kiew gekommen, getarnt als Fans einer Fußballmannschaft. „Später wurde klar, dass dies geplant und mit der Polizei koordiniert war, aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine Ahnung.“

Karina Schewzowa weiter: »Sie begannen uns mit Stöcken, Steinen, Gewehren und Molotowcocktails anzugreifen. Wir flüchteten in das Gewerkschaftshaus, weil wir glaubten, dass die Polizei kommen würde, um sie zu verhaften, aber das geschah nicht. Viele Menschen wurden verprügelt, einige zu Tode, die Nationalisten warfen ›Molotowcocktails‹, viele Menschen verbrannten. Mein Mann wurde verprügelt und schwer verletzt. Zu meinem Glück kam ich aus dem Gebäude heraus, als die Feuerwehrleute die Angreifer baten, einige Frauen herauszulassen, und da das Fernsehen zu diesem Zeitpunkt anwesend war, wagten sie nicht, uns etwas anzutun.«

Quelle:  https://www.jungewelt.de/artikel/449875.massaker-an-linken-wie-der-krieg-begann.html

Ich selbst habe direkt nach dem „Massenbrandmord“ in verschiedenen Artikeln darüber berichtet!

FORTSETZUNG FOLGT!


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