Was Ihnen nie gesagt wurde: Die D-Mark war der Preis für die deutsche Wiedervereinigung! Zahlreiche Zeitzeugen, Spitzenpolitiker und Wirtschaftsexperten vertraten genau diese Auffassung: Die Einführung des Euro und damit die Vernichtung der deutschen Währung war der politische Preis, den Deutschland für die Zustimmung zur Wiedervereinigung zahlte. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl opferte damit die stärkste Währung Europas – die der ehemalige französische Präsident François Mitterrand als »deutsche Atombombe« bezeichnete – für die Wiedervereinigung und den Weg zur europäischen Einheitswährung!
Während jegliche Kritik am Euro also politisch und auch medial ausgeblendet wird, kommen dennoch immer mehr Bedenken gegen seine damalige Einführung auf.
»Als der Vertrag von Maastricht 1992 unterzeichnet wurde, hatte die EU zwölf Mitgliedsstaaten«, sagte Helmut Schmidt. »Und diese zwölf haben den Fehler gemacht, jedermann in Europa zum Beitritt einzuladen, auch zur gemeinsamen Währung (…) Die Deutschen haben nicht richtig hingeschaut. Sie waren beschäftigt mit der Wiedervereinigung.«[1]
Der Historiker und Kohl-Biograf Hans-Peter Schwarz gab auch Politikern wie Mitterrand, Delors, Chirac und den Regierungen der damaligen »Weichwährungsländer« Mitschuld an der Einführung der Gemeinschaftswährung, die Kohl auf den »Weg gedrängt und ihn dafür gebauchpinselt haben«. Und weiter: »Sie verlangten nur nach Europäisierung der D-Mark.«[2]
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Konkreter wurde der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Heinrich Weiss: »Bereits vor Abschluss des Maastricht-Vertrages habe ich auf die Gefahren einer verfrühten Gemeinschaftswährung hingewiesen. Als ich 1991 als BDI-Präsident mit meinem französischen Kollegen (…) das Thema besprach, wies dieser mich in aller Offenheit darauf hin, dass Deutschland hier den Preis für die französische Zustimmung zur Wiedervereinigung zu bezahlen habe: ‚Wir möchten die Deutschen langfristig an der Finanzierung der riesigen ungedeckten Pensionslasten im französischen Staatshaushalt beteiligen.’ Also verspätete Reparationszahlungen?«[3]
Selbst der damalige Innenminister unter der Regierung Kohl, Wolfgang Schäuble, gab zu: »Die Preisgabe der D-Mark war eine der Konzessionen, die dazu beitrugen, den Weg zur deutschen Vereinigung zu ebnen.«[4]
Und auch Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sagte, der Euro sei »nichts anderes als der Preis für die Wiedervereinigung«.[5]
Norbert Blüm, ehemaliger Bundesarbeitsminister, meinte, dass Deutschland für das neu gestaltete Europa ein Opfer bringen müsse, nämlich die D-Mark.[6]
Zu diesem Sachverhalt schrieb Focus Money in dem mutigen Artikel »Euro: Wie wär’s mal mit der Wahrheit?« bereits im Juni 2012:
»Der ehemalige französische Präsident Francois Mitterand wollte die Wiedervereinigung Deutschlands zunächst verhindern. Aber noch mehr wollte er: die D-Mark loswerden. Also verlangte er für die Zustimmung der Wiedervereinigung von Kanzler Helmut Kohl die Einheitswährung.« Und weiter: »Jaques Attali, Mitterands außenpolitischer Berater, erklärte: ‚Um eine Balance zu erhalten, möchten wir über die deutsche Atombombe reden.’ Darauf antworteten die Deutschen: ‚Sie wissen doch, wir besitzen gar keine Atombombe.’ Woraufhin Attali sagte: ‚Ich meine die Deutsche Mark.’ Kohl wollte partout die Wiedervereinigung. Also opferte er das Stärkste, was Deutschland hatte: die D-Mark.«[7]
Kurt Biedenkopf, Ex-Ministerpräsident von Sachsen, meinte dazu, Helmut Kohl wäre der Zeitplan der Währungsunion letztlich wichtiger gewesen als »die Stabilität, darum hat er auch sein politisches Schicksal mit dem Euro verbunden, was eine rationale Debatte verhinderte«.[8]
Während der damalige SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder noch davon sprach, dass eine überhastete Währungsunion eine »kränkelnde Frühgeburt« sei, stand Bundesfinanzminister Theo Waigel seinem Chef eisern zur Seite. So postulierte er noch 1998: »Es macht keinen Sinn, über eine Verschiebung der Europäischen Währungsunion zu philosophieren. Ich habe keine Zweifel, dass die gemeinsame Währung so stark sein wird wie die D-Mark. Dafür sind alle Vorkehrungen getroffen.«[9]
Wie die Zeitgeschichte zeigt, hat Kohl nicht nur die D-Mark geopfert, sondern mit der erkauften Wiedervereinigung auch die Bundestagswahlen gewonnen.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Thyssen, Dieter Spethmann, einer der wichtigsten Wirtschaftsführer während der Regierungszeit Kohls, machte dem Ex-Kanzler ebenfalls Vorwürfe: »Kohl kannte die vielen berechtigten Einwände gegen die Einführung des Euro. Aber er hat sie alle beiseite gewischt. Deshalb trägt er heute auch einen großen Teil der Verantwortung für die Eurokrise (…) Man hätte den Euro auf die wenigen Länder begrenzen müssen, die die Kriterien wirklich erfüllten.«[10]
Im September 2012 sah sich der damalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bemüßigt, den Altkanzler gegen die Vorwürfe in Schutz zu nehmen. »Die Kritik ist nicht begründet«, sagte er. »Die Entscheidung, die D-Mark abzuschaffen, war nicht leicht, aber richtig.« Die Einführung des Euro sei eine der »bedeutendsten geschichtlichen Erfolge« Kohls gewesen.[11]

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Quellen:
[1] Vgl. »17 waren zu viele« in: Der Spiegel 37/12, S. 106, 107
[2] Vgl. »Er machte sich Illusionen« in: Focus 36/2012, S. 37
[3] Vgl. »Heinrich Weiss: Ein Austritt muss möglich sein« in: Handelsblatt v. 05.07.12
[4] Vgl. »100 Antworten zum Euro« in: Stern 49/2011, S. 138
[5] Zitiert nach: Philipp Bagus: »Die Tragödie des Euro – Ein System zerstört sich selbst«, München 2011, S. 69
[6] Zitiert nach: Philipp Bagus: »Die Tragödie des Euro – Ein System zerstört sich selbst«, München 2011, S. 69
[7] Vgl. »Euro: Wie wär’s mal mit der Wahrheit?« in: Focus Money 25/2012 v. 13.06.12 (http://www.focus.de/finanzen/boerse/euro-wie-waers-mal-mit-der-wahrheit_aid_766365.html)/Zugriff: 21.06.12
[8] Vgl. »Mit aller Macht« in: Focus 36/2012, S. 30
[9] Vgl. »Mit aller Macht« in: Focus 36/2012, S. 31, 33
[10] Vgl. »Mit aller Macht« in: Focus 36/2012, S. 29
[11] Vgl. »Schäuble nimmt Altkanzler Kohl in Schutz« in: zeit.de v. 09.09.12 (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-09/schaeuble-kohl-esm)/Zugriff: 10.09.12
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