Tag für Tag informieren wir uns über internationale Ereignisse, vergleichen verschiedene Medien und glauben, uns ein eigenes Bild von der Welt zu machen. Doch was, wenn hinter dieser vermeintlichen Vielfalt dieselben wenigen Quellen stehen? Wer kontrolliert den globalen Nachrichtenfluss – und welchen Einfluss hat das auf unsere Wahrnehmung von Politik, Kriegen und Krisen?
Was wäre, wenn ich Ihnen sage, dass fast alles, was Sie über die Welt wissen, von nur einer Handvoll westlicher Agenturen bestimmt wird?
Dass Ihr tägliches Bild vom Weltgeschehen durch die Filter weniger westlicher Nachrichtenriesen läuft – ausgewählt, geframed und serviert, nicht wie es ist, sondern wie sie es Ihnen verkaufen wollen?
„Geframed“ heißt in diesem Zusammenhang, eine Sache so zu präsentieren, dass sie eine bestimmte Eigenschaft (positiv, negativ, neutral) oder eine bestimmte Bedeutung erhält. Die Art der Darstellung lenkt die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte und blendet andere aus, um eine gewünschte Sichtweise zu erzeugen. Durch die Auswahl von Wörtern, Bildern, Betonungen oder Kontext wird versucht, die Meinung oder das Gefühl des Publikums zu steuern. In den Medien bedeutet dies: Eine politische Debatte kann „geframed“ werden, indem ein Medium ständig nur die Argumente einer Seite hervorhebt und die der Gegenseite ignoriert oder abwertet. Zum Beispiel könnte ein Politiker als „reformfreudig“ oder als „rücksichtslos“ geframed werden, je nachdem, welche Aspekte seiner Politik betont werden sollen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „geframed“ beschreibt, wie die Präsentation einer Information die Wahrnehmung und Interpretation durch das Publikum beeinflusst. Es ist ein wichtiges Konzept in der Kommunikationswissenschaft und im Journalismus.
Willkommen in der Realität einer Informationswelt, die uns täglich Objektivität verspricht – und uns dabei unbemerkt an ihrer medialen Leine führt.
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Die meisten internationalen Nachrichten, die wir online, im Fernsehen, im Radio oder in Zeitungen konsumieren, stammen im Kern von gerade einmal drei/vier großen westlichen Nachrichtenagenturen:
- der amerikanischen Associated Press (AP),
- Thomson Reuters mit Sitz in New York und Toronto sowie
- der französischen Agence France-Presse (AFP) aus Paris.
- Für die Finanzwelt kommt eine weitere hinzu: Bloomberg aus New York, kontrolliert von Michael Bloomberg, Milliardär und ehemaliger Bürgermeister der Stadt.
Diese drei / vier Agenturen verfügen über weltweite Netze an Korrespondenten und sind in großen Teilen der Welt faktisch marktbeherrschend, was bedeutet: Sie entscheiden nicht nur, was wir vom Weltgeschehen erfahren – sondern auch wie wir es erfahren.
Ihre Vorauswahl prägt unsere Wahrnehmung der globalen Realität.
Andere Nachrichtenagenturen spielen dagegen kaum eine Rolle im internationalen Informationsfluss. Die staatliche russische TASS, die chinesische Xinhua und rund 140 weitere Agenturen erreichen nur einen Bruchteil der Reichweite der westlichen Platzhirsche.
Damit liegt die Deutungshoheit über die Weltgeschehnisse in den Händen weniger westlicher Nachrichtenanbieter – und genau diese Macht wird in der öffentlichen Debatte bislang kaum hinterfragt.
Die Abhängigkeit von den globalen Nachrichtenagenturen hat weitreichende Folgen. Wie erwähnt, die einflussreichsten von ihnen sitzen allesamt in der westlichen Welt, sind eng miteinander verflochten und beherrschen den Markt nahezu monopolartig.
Von Wien bis Washington übernehmen Medien nicht nur ihre Inhalte, sondern oft auch deren Formulierungen – mit dem Effekt, dass über internationale Ereignisse weltweit fast identisch berichtet wird. Deckungsgleich – und immer aus westlicher Perspektive.
Dabei ist die innere Abhängigkeit nicht zu unterschätzen: Wer etwa bei Bloomberg über Proteste gegen den Milliardär und Eigentümer Michael Bloomberg berichtet, wird seine Worte wohl mit größter Vorsicht wählen oder gleich gar schweigen. Denn am Ende gilt auch hier: Wessen Brot ich ess’, dessen Lied ich sing’.
Im Endeffekt ist ein unvorstellbares Machtmonopol:
Drei westliche Nachrichtenagenturen entscheiden Tag für Tag, was für uns zur Wahrheit wird. Sie lenken den globalen Diskurs, formen unsere Sicht auf Kriege, Krisen und Katastrophen – und niemand hinterfragt diese Dominanz.
Währenddessen schreiben Journalisten lieber vorsichtig, um ihre Brötchengeber nicht zu verärgern.
So bleibt am Ende eine bittere Erkenntnis: Wir glauben, die Welt zu kennen.
In Wahrheit kennen wir nur das, was uns diese wenigen Nachrichtenanbieter zu wissen erlauben.
Vgl. dazu u.a.: https://kontrast.at/wie-arbeiten-nachrichtenagenturen/
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Ich habe im Radio immer AfD anstatt AFP verstanden. 🙂