China: Babys werden wie Ware gehandelt – für umgerechnet nur 14.000 Euro. Auf dem Schwarzmarkt floriert ein perfides Geschäft, bei dem Neugeborene unter dem Deckmantel angeblicher Adoptionen verkauft werden. Verschlüsselte Chatgruppen, korrupte Netzwerke und erschreckend organisierte Abläufe machen den Handel möglich. Eine Recherche über ein System, in dem Menschenleben einen festen Preis haben.
China: „Transaktionen“ mit „Schnäppchen“-Babys
So perfide es sich anhört: Babys aus China sind viel „billiger!“ Gegenüber den Preisen in der Ukraine ein „Schnäppchen.“
So gab es eine sogenannte „WeChatGruppe“ für Babyhandel, in die eine mutmaßliche Käuferin eintrat. Allerdinges erst nach längeren verdeckten Ermittlungen und über eine Mittelsperson.
Die Gruppe bestand aus rund 100 Mitgliedern aus verschiedenen Städten und Provinzen Chinas. Aufgrund eines speziellen Wortkennungs-Systems konnte sich die Gruppe aus Sicherheitsgründen immer wieder auflösen und neu entstehen.
Zum Beispiel stand die Bezeichnung bao für Baby, der lateinische Buchstabe S für zur Adoption freigeben und L für Annahme der Adoption. Oder anders ausgedrückt für verkaufen und kaufen.
Über verschlüsselte Chat-Nachrichten wurde dann mitgeteilt, ob ein Baby verfügbar ist.
Der Preis: umgerechnet 14.000 Euro. Aber nur cash.
Dabei wurde die Gesundheit des Kleinkindes mit einer »sauberen genetischen Vorgeschichte« sogar noch garantiert. Geburtsurkunden sollten bei diesen Geschäften nicht nötig sein, weil diese später »leicht beschafft« werden konnten.
Falls doch gewünscht, wurden 500 Euro mehr verlangt. Eine solche musste allerdings zum Zeitpunkt der Entbindung ausgestellt werden, damit die leibliche Mutter die Identität des Käufers für die Registrierung des Babys verwenden konnte.
Und so liefen diese unfassbar unwürdigen und unmenschlichen „Deals“ ab:
- Eine schwangere Frau wird (normalerweise) morgens in den Kreißsaal des Krankenhauses eingeliefert.
- Nach der Entbindung wird das Neugeborene von den Krankenschwestern drei Tage lang betreut und auf Krankheiten und Missbildungen untersucht.
- Nachdem die Untersuchungen abgeschlossen sind, kann das Baby entlassen werden.
- Dabei übergeben die Krankenschwestern das Neugeborene direkt an den Mittelsmann/frau.
- Nach der Bezahlung überreicht dieser das Baby zusammen mit einer von der leiblichen Mutter unterzeichneten „Einverständniserklärung zur Adoption“ an den Käufer – die „Transaktion“ ist abgeschlossen!
- Beziehungen zu den örtlichen Krankenhäusern, zu Ärzten und Krankenschwestern, machten es möglich, einen dementsprechend „reibungslosen Ablauf“ zu gewährleisten.
- Den Käufern wurde der Tipp gegeben, schon Monate zuvor eine Schwangerschaft vorzutäuschen, um im Umfeld nicht aufzufallen, wenn man plötzlich Mutter/Vater ist.
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