GERD UNGUREANU: "Mittendrin das Tor zur Hölle…"

„Schwarzwälder Bote“ v. 13.08.12:

Zollernalbkreis – „Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt…“ Unter das Dostojewski-Zitat stellt der Balinger Buchautor und Filmemacher Guido Grandt seine neue Video-Dokumentation. Darin geht es um die Konzentrationslager des „Unternehmens Wüste“ auf der Schwäbischen Alb.

Der Film, der von OEW, Zollernalbkreis, Kreis Rottweil und Holcim finanziert wurde, ist den Toten und Überlebenden gewidmet, und sie – die Opfer – kommen darin zu Wort. „Wir waren Nachbarn, Kollegen, Freunde“, sagt der Sprecher in ihrem Namen, „und sind zu Volksschädlingen geworden.“ Die habe man nach Buchenwald, Treblinka, Auschwitz und „anderen Höllen dieser Erde“ geschickt.

Und einige „andere Höllen“ befanden sich in Bisingen, Engstlatt, Dormettingen, Schömberg oder Zepfenhan. In der Dokumentation erinnern sich Zeitzeugen und ehemalige Häftlinge an Berge von Leichen, an die Vernichtung durch Arbeit, an „klirrende Kälte und schweren Nebel, der in den Bäumen hängt und mittendrin das Tor zur Hölle“.

Ziel des „Unternehmens Wüste“ war es, aus dem Ölschiefer Treibstoff für Hitlers Kriegsmaschine zu gewinnen. „In den Adern des Kriegs fließt Öl aus Schiefer und Menschenmark“, sagt Gerhard Lempp von der „Initiative Eckerwald“. Italienische Kriegsgefangene, polnische Juden, Russen, Esten und Roma aus ganz Europa zwischen 14 und 60 Jahren müssen mit bloßen Händen den Schiefer brechen, dort, „wo Menschenmaterial weniger wiegt als ein paar Tropfen Öl“.

Jacek Zielniewicz, ehemaliger Häftling in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birken­au und Dautmergen, erinnert sich an die Aussage des Dautmerger Lagerführers Fritsch: „Der einzige Weg für euch in die Freiheit ist durch den Kamin des Krematoriums.“ Juden hätten in Dautmergen noch zwei Wochen zu leben, Priester einen Monat und alle anderen drei Monate. Da sei wirklich so gewesen. In Dautmergen sei es schlimmer gewesen als in Auschwitz: „Die Kälte war das Schlimmste, und der Hunger…“

Grandt lässt in seiner Dokumentation, die mit erschütternden Bildern illustriert ist, nicht nur die Zeitzeugen und Vertreter der „Initiative Eckerwald“ zu Wort kommen, sondern auch Kommunalpolitiker und Schüler. Der Dormettinger Bürgermeister Anton Müller verweist darauf, dass es wichtig sei, nicht zu vergessen und erwähnt den Schiefererlebnis-Pfad, entlang dessen an das „Unternehmen Wüste“ erinnert wird. Landrat Günther-Martin Pauli wünscht sich Versöhnung. Zu dieser Versöhnung könnte auch die 45 Minuten lange Videodokumentation beitragen. Der Autor hat kostenlose DVDs zur Verfügung gestellt – für alle Schulen im Zollernalbkreis.

die dvd: Guido Grandt: „Hinter dem Dorf die Hölle. Die vergessenen Konzentrationslager auf der Schwäbischen Alb“, gugra media, 2012, 45 Minuten, 12,95 Euro.

Bestellungen an: guido.grandt@wirsind.tv

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